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Amazon in Brno – lohnt sich die Investition?

Amazon will ein riesiges Logistikzentrum bei Brünn errichten: Beispiel eines Konfliktes zwischen Mainstreamökonomie und Umwelt, verfasst von unserer tschechischen Partnerorganisation „Hnuti Duha“, im Rahmen der Ökopartnerschaft NÖ - Südmähren.

Vorgesehenes Arial in Brno
© Roman Vondrouš/CTK

  logoleiste

Das Stadtviertel liegt auf den „Cernovické Terasý“, einer höher gelegenen Terrassenlandschaft, nahe dem Flughafen. Bis 1996 dienten die Terrassen als Mülldeponie. Schon im 19. Jahrhundert  gewann  man dort  Sand für Bauzwecke. Auf einer Fläche, die etwa 160 Fußballfeldern entspricht, befinden sich allerdings auch artesische  Brunnen. „Dieses hochwertige Wasser ist das wertvollste, das Brno hat“, sagt der frühere Brünner Vizebürgermeister und jetziges Mitglied der Stadtvertretung Martin Ander.

Auf diesem aus ökologischen Gesichtspunkten strategisch wichtigen Platz ist seit 2005 ein Industriegebiet gewachsen. Im Jahr 2009 hatte die Stadt mit „Černovická Terasa“ noch andere Pläne: Golfplätze, Aussichtstürme - von der Terrasse aus gibt‘s einen schönen Ausblick auf ganz Brno - sollten dort entstehen und die Schluchten wollte man für Adrenalinsportarten nutzen. Eine Ausbildungsstelle für ökologische Verwertung von Müll sollte entstehen. Es wurde auch überlegt, einen Park zu errichten. Die Bodenrekultivierung hätte allerdings viel gekostet.

Die ersten Berichte über die Pläne des größten Online-Geschäftes tauchten in den Medien schon letzten Frühling auf. Nach Marketingexperte Robert Němec ist der Standort so attraktiv, weil die Stadt viele arbeitssuchende Uni-Absolventinnen und -Absolventen und eine hohe Arbeitslosenrate hat. Amazon hätte keine Probleme, genug Leute zu niedrigen Löhnen zu bekommen. Konkurrenz in diesem Gebiet in Brno existiert nicht. Auch die Nähe des Flughafens und die Lage von Brünn ist vorteilhaft, weil die Pakete außerhalb Tschechiens nach Österreich, Slowakei, Ungarn oder Polen geschickt werden, wo Amazon bisher keine logistischen Zentren hat.

Am 14. Februar dieses Jahres haben die Medien berichtet, dass sich die Betreiber nicht mit den Vertretern von Brünn geeinigt hätten und sie den Vertrag nicht unterschrieben haben. Das Hauptproblem war die fehlende Abfahrt von der Autobahn D1 und es bestand vorerst keine Bereitschaft der Investoren, solche Investitionen zu tragen. Im Spiel waren interessante Geldsummen: Im Zusammenhang mit den Vorbereitungen des Zentrums sollten vom Betreiber 309 Millionen Kronen (mehr als 12 Mio. Euro) in die Stadtkasse fließen. Das logistische Zentrum sollte ca.2.000 Leute anstellen.

Schließlich einigten sich die VertreterInnen der Stadt doch mit dem Betreiber. Der Investor hat sich verpflichtet, dass er die Autobahnabfahrt ausbaut und Menschen aus der Region anstellt. Dem Verkauf der Flächen wurde von der Brünner Stadtvertretung zugestimmt. Die Frist ist abgelaufen, in der die Öffentlichkeit und kompetente Organe Stellung nehmen können.

Geht es um eine Zweckänderung? Da sollte man auch die externen Einflüsse beurteilen: Einflüsse auf Umwelt, Luftverunreinigung, mögliche Kontamination des Trinkwassers, Licht- und Lärmverunreinigung. Auf diesem Gebiet sollte stattdessen nach Raumordnungsplan der Wohnungskomplex Slatina – die grüne Stadt entstehen. Auch darüber spricht die Organisation Čisté Tuřany, die ihr Stadtviertel ökologisch erhalten will und den Kampf nicht aufgibt. Man spricht auch nicht über die Qualität der Arbeit – die meisten Leute werden die Arbeit der Lagermanipulanten leisten – davon kann man sich in der BBC-Dokumentation "Amazon: The truth behind the click" ein Bild machen.

Weiterführende Links

Regenbogenbewegung – Hnutí Duha
Youtube: Amazon: The truth behind the click

Letzte Aktualisierung: 27.08.2014