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FAQ

FAQ

Die Energie- und Umweltagentur NÖ (eNu) bietet unabhängige Informationen zum Thema Windenergie. Schicken Sie Ihre Frage mit dem Betreff "Wind" an office@enu.at. Wir werden uns bemühen, Ihre Fragen zu beantworten. Die Beantwortung finden Sie dann hier.

Frage: Ist es richtig, dass eine Flächenumwidmung im Umkreis von 5 km nach dem Bau von Windkraftanlagen dauerhaft beeinträchtigt ist?

Antwort: Nein, diese Interpretation ist unrichtig. Es gibt nur im Umkreis von 1,2 km Einschränkungen. Diese sind damit zu begründen, dass  im Niederösterreichischen Raumordnungsgesetz für die Widmung von Windkraftanlagen folgende Abstandsregelungen vorgesehen sind:

  • 1.200 m zu gewidmetem Wohnbauland und Bauland-Sondergebiet mit erhöhtem Schutzanspruch, z.B. Krankenhaus, Schule, Altersheim
  • 750 m zu landwirtschaftlichen Wohngebäuden und erhaltenswerten Gebäuden im Grünland, Grünland Kleingärten und Grünland Campingplätzen
  • 2.000 m zu gewidmetem Wohnbauland, welches nicht in der Standortgemeinde liegt. Mit Zustimmung der betroffenen Nachbargemeinde(n) kann der Mindestabstand von 2.000 m auf bis zu 1.200 m reduziert werden.

Frage: Wie hoch ist der bauliche Aufwand für Windkraftanlagen? Sind alleine für den Bau der Fundamente tausende LKWs und Betonmischer nötig?

Antwort: Das Fundament einer modernen 3,2 Megawatt-Windkraftanlage hat einen Durchmesser von ca. 21 Metern (350 Quadratmeter) und eine Tiefe von 2-3 Meter. Falls der Untergrund Pfähle erfordert, werden diese bis zu 15 Meter tief eingeschlagen. Dabei werden 100 Tonnen Stahl und ca. 600 Kubikmeter Beton benötigt. Der Turm wiegt ca. 70 Tonnen und wird in 22 Teilen angeliefert, zuletzt folgen die Gondel mit dem Generator und die Rotorblätter. Die Zulieferung für Stahl, Beton und die Anlage erfolgt durch ca. 100 LKW- und Mischwagen-Fuhren.
 

Frage: Wie viel Wald muss bei einem Waldstandort gerodet werden?

Antwort: Bei der Umsetzung eines Windparks in einem Waldgebiet, beträgt der Flächenbedarf pro Windrad etwa 3.000 Quadratmeter für Kranstellfläche, Lagerfläche und Zuwegung. Zum Vergleich: ein Fußballfeld hat eine Fläche von ungefähr 7000 Quadratmeter - ist also mehr als doppelt so groß.  Für die Anlieferung der Windrad-Komponenten werden meist die bestehenden Feldwege und Forststraßen verwendet und dabei auf eine Breite von fünf Metern ausgebaut. Für die Entnahme von Bäumen werden in der Regel Aufforstungsmaßnahmen vorgeschrieben.
 

Frage: Ist Windenergie eine Zufallsenergie? Welche Leistungen von kalorischen Kraftwerken müssen für Ausgleichsenergie im Hintergrund bereitgehalten werden?

Antwort: Wind ist nicht reiner Zufall sondern wird mittels Prognosen berechnet. Trotz erheblichen Zubaus von Windkraftanlagen haben sich die Leistungsreserven für die Regelenergie in den letzten Jahren nicht erhöht.
Für den österreichischen Strommarkt erfolgt der Handel für Regelenergie für den Ausgleich von Erzeugungs- oder Verbrauchsschwankungen über die Austrian Power Grid (APG).
Die Ausgleichsenergie wird dabei in die Primärregelung, Sekundärregelung und Tertiärregelung unterteilt. Die Primärregelung umfasst dabei eine Leistungsreserve von +/- 66 Megawatt und muss innerhalb von 30 Sekunden abrufbar sein. Die Sekundärreglung umfasst eine Leistungsreserve von +/-200 Megawatt und wird für einen Zeitraum von 30 Sekunden bis 15 Minuten eingesetzt. Zusätzlich steht eine Tertiärregelung für länger andauernde Leistungsschwankungen zur Verfügung (-150MW/+280 Megawatt).

In Österreich wird die Ausgleichsenergie zum überwiegenden Teil aus Wasserkraft bereitgestellt. Im Bereich der Sekundär- und der der selten abgerufenen Tertiärregelung sind auch kalorische Kraftwerke in Verwendung.
 

Frage: Wurde in Bayern eine Regelung beschlossen, welche den Mindestabstand von Windkraftanlagen zu Wohngebäuden verringert?

Antwort: In Deutschland hat der Bundesrat beschlossen, dass die Länder eigene Mindestabstandregeln festlegen können. In Bayern gilt neu die „10*h Regel“. Der Mindestabstand soll 10 mal die Höhe der Windkraftanlage betragen. Das entspricht 2000 Metern  bei einer Anlagenhöhe von 200 Metern. Der Abstand kann bei Zustimmung durch die Anrainer auch kleiner sein.
 

Frage: Können wir mit Windkraft den Import von Atomstrom verhindern?

Antwort: Ab 1.1.2015 erfolgt in Österreich eine durchgehende Stromkennzeichnungspflicht. Die österreichischen Energieversorgungsunternehmen verpflichteten sich zusätzlich freiwillig den Verkauf von Atomstrom einzustellen. Diese Maßnahmen bewirken in der Handelsbilanz ein atomstromfreies Österreich.  Ein physikalischer Stopp für Atomstromimport kann damit aber nicht erzwungen werden. Die Lastflüsse richten sich immer nach den aktuellen Gegebenheiten wo der Strom gerade produziert bzw. verbraucht wird. Importe aus Ländern mit einem hohen Anteil an Atomstrom  (z.B. Tschechien mit 33%) bringen Atomstrom auch in unsere Netze.  Die vor Ort abrufbare Leistung bzw. ein Mehr an lokal produziertem Ökostrom verringert die grenzüberschreitenden Lastflüsse und somit den Import von Atomstrom.
Die Lastflüsse über die Grenzen Österreichs sind auf der Webseite der APG abrufbar. Ein Reaktorblock in Temelin hat übrigens eine Leistung von rund 1 GW.
 

Frage: Wie hoch sind die jährlichen Zahlungen der Windkraftbetreiber an die Standortgemeinde?

Antwort: Es ist üblich, dass Standortgemeinden am wirtschaftlichen Erfolg der Windkraftnutzung teilhaben. Eine genaue Summe kann nicht genannt werden, weil die Erlöse der Windkraftanlagen vom Windangebot, aber auch von anderen Standortfaktoren (z.B. Naturschutz-Auflagen für den laufenden Betrieb) abhängen.
Der „Waldviertler Windpakt“ wurde 2012 als freiwillige Vereinbarung zur Aufteilung der Standorterträge von Windkraftwerken von 52 Waldviertler Gemeinden unterzeichnet. Darin werden als Richtwerte für eine 3 MW-Windkraftanlage 10.000 Euro pro Jahr an die Gemeinde und 5.000 Euro pro Jahr an die Region genannt.
Im Windpark Göllersdorf (Weinviertel) werden 12.000 Euro pro Windkraftanlage Jahr für Jahr an die Gemeinde fließen.
 

Frage: Was passiert mit Windkraftanlagen am Ende seiner Lebensdauer?

Antwort: Ein vollständiger Abbau der Windkraftanlagen am Betriebsende wird schon bei der behördlichen Genehmigung der Windkraftanlagen als Auflage festgeschrieben. Die Betreiber von Windkraftanlagen müssen dafür finanzielle Vorsorge treffen. Der Rück- bzw. Abbau hat so zu erfolgen, dass keine umweltgefährdenden Stoffe (z.B. Hydrauliköl) austreten können. Die Fundamente werden entfernt, damit später wieder eine land- und forstwirtschaftliche Nutzung des Bodens möglich ist.