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Mikroorganismen

Probleme mit Keimen

Mikrobiologisch verunreinigtes Wasser ist Ursache für viele Krankheitsfälle auf der ganzen Welt. Die Erkrankungen reichen von Durchfall bis zu Typhus und Ruhr.

Manche dieser Krankheiten können unbehandelt zum Tod führen. Noch immer sterben weltweit jährlich 10 Millionen Menschen an verseuchtem Wasser. In Österreich ist die hygienische Situation unvergleichlich besser. Niederösterreich verfügt über ausreichende Wasserreserven und kann seinen gesamten Trinkwasserbedarf aus Grund- und Quellwasser decken. Es muss nicht, wie in vielen Ländern Europas, auf behandeltes Oberflächenwasser zurückgegriffen werden. Verkeimungen gibt es jedoch immer wieder bei Hausbrunnen und kleinen privaten Quellfassungen. Diese sind oft auf bauliche Mängel oder fehlende Schutzgebiete zurückzuführen. Bei Trinkwasseruntersuchungen werden für die Beurteilung der bakteriologischen Qualität folgende Indikatorkeime bestimmt. 

Koloniebildende Einheiten KBE

Die Zahl der Kolonie bildenden Einheiten (KBE) ist eine unspezifische Größe aus der mikrobiologischen Untersuchung von Trinkwasser. Die Bakterien werden nur gezählt, aber nicht bestimmt. Aus der Wasserprobe wird 1 ml auf ein Nähmedium aufgestrichen und in einem Brutschrank auf bestimmte Zeit und bei 2 verschiedenen Temperaturen bebrütet. Die im Wasser vorhandenen Bakterien bilden dabei sogenannte Kolonien, die dann gezählt werden.

Bebrütet wird bei 36°C (Optimum vieler Darmbakterien) und bei 22°C (Optimum vieler Wasser- und Bodenbakterien). Völlig keimfreies Wasser gibt es nicht. Die KBE korrelieren mit dem hygienischen Zustand von Hausinstallationen, weisen auf das Eindringen von Oberflächenwasser hin und treten besonders bei langen Standzeiten des Wassers in den Leitungen auf.

Coliforme Keime

Coliforme sind eine große Gruppe von Bakterien mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften. Der Nachweis von coliformen Keimen ist ein Hinweis auf bakteriologische Verunreinigung durch Fäkalkeime oder Bodenkeime. Sie sind im Trinkwasser normalerweise nicht anzutreffen. Sie dienen zur Charakterisierung der allgemeinen hygienischen Wasserqualität. Werden im Befund coliforme Keime, aber keine eindeutigen Fäkalkeime (Escherichia coli oder Enterokokken) ausgewiesen, deutet das auf Eindringen von Oberflächenwasser aufgrund baulicher Mängel am Wasserspender hin. Starker Niederschlag bei der Probennahme kann auch bei ordnungsgemäß ausgeführten Brunnen zu erhöhten Werten bei Coliformen führen. Auch sandig-schlammige Ablagerungen in Behältern und Filtern können die Ursache für erhöhte coliforme Keimzahlen sein.

Escherichia coli

Escherichia coli gehört zur normalen Darmflora von Warmblütern (Menschen, Vögel und Säugetieren). Die Spezies ist normalerweise nicht krankheitsauslösend, jedoch existieren auch zahlreiche verschiedene pathogene (krankheitserregende) Stämme, die Harnwegsinfektion, Meningitis, Bauchfellentzündung und andere Infektionskrankheiten auslösen. Deshalb darf mit Escherichia coli belastetes Wasser nicht als Trinkwasser verwendet werden und es wird empfohlen, nicht mit offenen Wunden zu baden oder zu duschen. Escherichia coli ist ein Indikator dafür, dass das Wasser mit menschlichen oder tierischen Ausscheidungen verunreinigt ist. Es wird mit dem Stuhl von Warmblütern in großen Mengen ausgeschieden. Werden E. coli im Trinkwasser nachgewiesen, besteht eine Gefährdung der menschlichen Gesundheit. Im Trinkwasser darf Escherichia coli nicht enthalten sein.

Enterokokken

Enterokokken kommen hauptsächlich im Darm von Warmblütern (Menschen, Vögel, Säugetiere) vor und gelten daher als Indikator für eine fäkale Verunreinigung. Da mit Fäkalien auch Krankheitserreger in das Wasser gelangen können, darf Wasser, in dem Enterokokken nachgewiesen wurden, nicht als Trinkwasser verwendet werden. Enterokokken können aber auch selbst krankheitserregend wirken und zu Harnwegsinfektion, Meningitis, Bauchfellentzündung und anderen Infektionskrankheiten führen. Deshalb wird bei mit Enterokokken belastetem Wasser empfohlen, nicht mit offenen Wunden zu baden oder zu duschen. Enterokokken werden mit dem Stuhl von Mensch und Tier ausgeschieden und sind relativ unempfindlich gegenüber äußeren Einflüssen. Sie sind resistenter gegenüber Desinfektionsmaßnahmen als beispielsweise coliforme Keime. Ihr Nachweis gilt als schwerwiegender Befund.

Pseudomonas aeruginosa

Die Bakterienart Pseudomonas aeruginosa ist ein weit verbreiteter Boden- und Wasserkeim, der in feuchtem Milieu vorkommt. Er führt vor allem bei Menschen, deren Immunabwehr geschwächt ist, zu Erkrankungen wie Lungenentzündung, Wundinfektion und Blutvergiftung. Bei gesunden Menschen kommt es jedoch selten zu Erkrankungen durch Pseudomonas aeruginosa. Eine Vermehrung erfolgt dann, wenn Wasser besonders bei Zimmerwärme länger steht und ausreichend Nährstoffe vorhanden sind. Das ist etwa bei Geräten zur Trinkwasseraufbereitung der Fall. Vorbeugende Maßnahmen bestehen in der Einhaltung allgemeiner Hygieneregeln wie der Vermeidung von Staub oder Schmutz beim Nachfüllen des Regenerationsmittels.

Clostridium perfringens

Das Bakterium Clostridium perfringens kommt im Darm von Mensch und Tier sowie in Erde, Staub und Wasser vor. Clostridium perfringens ist der wichtigste Erreger des Gasbrandes und ein häufiger Erreger unspezifischer Infektionen. Einige Stämme können Enterotoxine produzieren und sind somit häufige Erreger von Lebensmittelvergiftungen. Das Bakterium besitzt auch die Fähigkeit Endosporen zu bilden. Die Sporen besitzen eine hohe Resistenz, überleben lange und können damit auf eine länger zurückliegende oder periodisch auftretende Verunreinigung hindeuten. Durch die Sporenbildung ist Clostridium perfringens widerstandsfähiger gegen Desinfektion und gilt als Nachweis für die Wirksamkeit der Wasseraufbereitung. Gleichzeitig können die Sporen von Clostridium perfringens ein Indikator für die Anwesenheit von Protozoen-Zysten bzw. Parasiten-Dauerformen sein. Als Protozoen bezeichnet man aufgrund ihrer vorwiegend heterotrophen Lebensweise und ihrer Mobilität als tierisch angesehene Einzeller, die keine Zellwand und im Gegensatz zu Bakterien einen Zellkern besitzen. Als Zysten werden die Dauerformen bestimmter Einzeller, Pflanzen und Tiere bezeichnet, die bei ungünstigen Lebensbedingungen wie Trockenheit oder Nährstoffmangel gebildet werden.

Die Ergebnisse einer mikrobiologischen Untersuchung sind stark abhängig von der eingesetzten Methode (verwendetes Nährmedium, Inkubationszeit, Temperatur). Daher müssen die in der Trinkwasserverordnung angeführten Methoden angewendet werden, da die Grenz- und Richtwerte auf Grundlage dieser Methoden festgelegt wurden. Schnelltests führen lediglich zu einer groben Abschätzung und können nicht zur Einhaltung der in der Trinkwasserverordnung vorgeschriebenen Grenz- und Richtwerte herangezogen werden.