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Pressemeldungen

Wespen und Hornissen – Lebensraum zunehmend bedroht

Umsiedeln anstatt vernichten!
Medieninformation der Energie- und Umweltagentur NÖ, 24. Juni 2016

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© H. Pressler, eNu

Wespen sind keine besonders gerne gesehenen Gäste bei Tisch. Denn wenn sie sich bedroht fühlen, wissen sie sich zu verteidigen und stechen. Doch Wespen und Hornissen sind Nützlinge! Wenn sie sich an ungeeigneten Plätzen niederlassen, gilt es richtig zu reagieren und sie von einem Profi umsiedeln zu lassen. Gestern fand der erste „Infotag für PraktikerInnen“ statt, bei dem die 35 TeilnehmerInnen Wissenswertes zu Umgang und Umsiedelung erfuhren.

In Mitteleuropa kommen elf Arten von Wespen vor, die in die Kategorien „Echte Wespen“ und „Feldwespen“ eingeteilt werden. Zu den Echten Wespen gehört auch die gefürchtete Hornisse (Vespa crabro). Sie ist die größte heimische Wespenart. Hornissen bilden große Staaten, die aus mehreren hundert Tieren bestehen können. Wie alle anderen Wespenstaaten sind auch die Hornissenvölker einjährig. Im späten Herbst sterben die Arbeiterinnen, Männchen und auch die alte Königin, nur die jungen, befruchteten Weibchen überwintern. Im Frühjahr kommen sie aus ihren frostgeschützten Quartieren und gründen einen neuen Staat. Das alte Nest wird nicht wieder besiedelt. „Der Infotag diente der Bewusstseinsbildung im Umgang mit Wespen und Hornissen. Dazu zählt bei einer Begegnung Ruhe zu bewahren und bei Umsiedelungen sorgsam umzugehen, denn Wespen sind, genau wie Bienen, Nützlinge, deren Lebensraum zunehmend gefährdet ist“, weiß Dr. Herbert Greisberger, Geschäftsführer der Energie- und Umweltagentur NÖ.

Nützlich, aber gefährlich?
Der schlechte Ruf der Wespen ist auf lediglich zwei Arten zurückzuführen: Die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe. Sie vergreifenden sich bei der Nahrungsbeschaffung an unseren Speisen. Alle anderen Wespenarten und auch die Hornissen belästigen die Menschen nicht beim Essen im Freien. Zu Konflikten mit den Tieren kann es allerdings kommen, wenn sie sich und ihre Brut als bedroht empfinden. Daher ist im Fall einer Begegnung ein Mindestabstand von 5 Metern zum Nest einzuhalten. Besondere Sorgfalt ist in der Nähe von Obstbäumen geboten. Hier sollte man nicht barfuß laufen, da die Insekten gerne das Fallobst als Nahrung, hier insbesondere im Spätsommer, aufnehmen.

Unverstandene Spezies
Laut § 17 Abs. 3 des Niederösterreichischen Naturschutzgesetzes dürfen freilebende Tiere (wie auch Wespen und Hornissen) samt allen ihren Entwicklungsformen nicht mutwillig beunruhigt, verfolgt, gefangen, verletzt, getötet, verwahrt oder entnommen werden. Auch der Lebensraum freilebender Tiere, ihre Nist- und Brutstätten sind von menschlichen Eingriffen möglichst unbeeinträchtigt zu belassen. Wespen und Hornissen sind nicht auf den Roten Listen der gefährdeten Arten zu finden, doch die Hornissenbestände gehen aufgrund der fortschreitenden Veränderung des Lebensraumes sowie falscher Vorurteile zurück.

Völkerwanderung
Manchmal gibt es keinen anderen Ausweg, als das Nest zu entfernen, wie etwa bei der Erneuerung des Daches. In diesen Fällen sollte keinesfalls zu Gift oder Feuer gegriffen werden, sondern eine Expertin/ein Experte zu Rate gezogen werden. Der ruhige und behutsame Umgang ist in diesen Fällen besonders wichtig, es braucht dazu viel Wissen und Erfahrung. Hierzu werden Hornissenkästen gebraucht, welche zu groß geratenen Vogelnistkästen ähneln. Das Hornissennest wird nun mittels zweier, in den Zwischenraum von zwei Wabenetagen, geschobener Trageleisten vom alten Standort abgenommen und im Umsiedelungskasten gut befestigt. Davor werden die herumfliegenden Hornissen entweder mit einem speziellen „Abfangkasten“ eingesammelt oder mit einer leichten Zuckerlösung beruhigt. Danach wird der Hornissenkasten am alten Standort aufgehängt, alle Hornissen wieder freigelassen und nach kurzer Aufregung wird die neue Umgebung rasch akzeptiert. Dann wird die Fronttüre des Kastens geschlossen und wenn alle Hornissen sich an die neue Behausung gewöhnt haben, beginnt die eigentliche Umsiedelung. Bei Dunkelheit sind die meisten Hornissen im Nest – jetzt werden die Einfluglöcher mit Zeitungspapier verschlossen und Nahrung bereitgestellt. Am nächsten Morgen erkundet das Hornissenvolk nach dem langsamen Aufbeißen des Zeitungspapiers bereits das neue Zuhause. Die Fachleute achten darauf den Kasten möglichst erschütterungsfrei zu transportieren und in einer geeigneten Umgebung und angemessener Höhe anzubringen.

Ausgebildete Fachleute
Um sicherzustellen, dass es Expertinnen und Experten in Bezug auf Beratung und Umsiedelung von verschiedenen Wespenarten gibt, wurde ein neues Bildungsangebot entwickelt. Im Rahmen dieses „Workshops“ bieten die Energie- und Umweltagentur NÖ (eNu) gemeinsam mit “die umweltberatung“ Wien, der Österreichischen Naturschutzjugend (ÖNJ), dem Naturschutzbund NÖ, der Feuerwehr und ImkerInnen eine fundierte Wissensvermittlung und Schulung. Zusätzlich erarbeiten die ProjektpartnerInnen gemeinsam Informationsmaterialien zum richtigen Umgang mit Wespen und Hornissen. Diese sind auf der Webseite www.naturland-noe.at zu finden.

Auf der Webseite www.naturland-noe.at finden Interessierte sämtliche Informationen über die heimische Natur und auch zahlreiche Möglichkeiten selbst einen Beitrag zu Erhalt und Schutz zu leisten!

Für JournalistInnenrückfragen:
Energie- und Umweltagentur NÖ
Mag.a Silvia Osterkorn
Tel. 02742 219 19-113
silvia.osterkorn@enu.at, www.enu.at

Gruppenfoto: Infotag für PraktikerInnen.jpg

Foto: Martin Stoick (Erster Oberfeuerwehrmann der Berufsfeuerwehr Wien und Imker), DIin Ute Nüsken (Naturschutzjugend NÖ), DI Markus Barth (Naturschutzbund OÖ), Mag.a Renate Gottwald-Hofer, Robert Kraner (beide Energie- und Umweltagentur NÖ), Dr. Herbert Greisberger (Geschäftsführer der Energie- und Umweltagentur NÖ), Philipp Gutlederer (Freiwillige Feuerwehr Amstetten) und DI (FH) Harald Brugger MSc ("die umweltberatung" Wien).

Bildnachweis: H. Pressler / eNu

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