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Wintersport in Zeiten des Klimawandels

Die Erderwärmung hat starken Einfluss auf eine der Lieblingssportarten der ÖsterreicherInnen – das Skifahren. Die Schneefallgrenzen wandern jedes Jahr höher und ohne Schneekanonen geht in den meisten Skigebieten gar nichts mehr. Ein hoher Energie- und Wasserverbrauch ist die Folge.

Schneeband
© f/2.8 by ARC - Fotolia.com

Aufgrund des Temperaturanstieges im Alpenraum steigt auch die Schneefallgrenze. Pro Grad Erderwärmung steigt sie um etwa 120 Meter. Abhängig von den Treibhausgasemissionen wird die Schneefallgrenze bis zum Ende des Jahrhunderts um 300 bis 600 Meter nach oben wandern.

Schneekanonen sorgen für die weiße Pracht

Wo die Natur nicht mehr für eine ausreichende Menge an Schnee sorgen kann, übernimmt die Technik das Kommando. Sobald die Temperaturen in den Minusbereich sinken, beginnt in den Skigebieten die Produktion von Kunstschnee. Die Zutaten sind relativ einfach: eine ordentliche Menge Wasser, Schneekanonen und Strom. Beim Maschinenschnee wird der natürliche Schneefall nachgeahmt. Ein Wasser-Druckluft-Gemisch bildet Schneekerne. Das Wasser aus dem Sprühnebel verbindet sich anschließend mit den Schneekernen und diese fallen dann als Schneekristalle zu Boden. Die Kunstschneeproduktion ist von der Umgebungstemperatur und der Luftfeuchtigkeit abhängig. Bei sehr trockener Luft kann sogar bei leichten Plusgraden Kunstschnee erzeugt werden.

In Österreich gibt es rund 23.000 Hektar Skipisten, etwa 65 Prozent oder 15.000 Hektar sind mit Beschneiungsanlagen ausgerüstet.

Eine Wintersaison entspricht dem Jahresstromverbrauch einer Kleinstadt

Der Energieverbrauch der Kunstschneeproduktion hängt stark von der eingesetzten Technologie und der Temperatur ab. Als Näherungswert wird ein Strombedarf von 10.000 Kilowattstunden pro Hektar und Jahr angegeben. Insgesamt werden für die Beschneiung in Österreich 150 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr verbraucht. Die Summe entspricht etwas mehr als 2 Prozent des elektrischen Endenergieverbrauchs in Österreich oder dem Jahresstromverbrauch einer Stadt mit etwa 43.000 Haushalten.

Darüber hinaus wird Strom für den Schnee genau dann benötigt, wenn die österreichischen Kraftwerke, die erneuerbaren Strom produzieren, gerade wenig Strom erzeugen. Vor allem die Wasserkraftwerke und PV-Anlagen liefern aufgrund der Winterwitterung nicht ausreichend Energie, Windkraftanlagen können den fehlenden Anteil nicht ausgleichen. Ein beträchtlicher Anteil der Stromversorgung im Winter wird durch kalorische Kraftwerke und Stromimporte gedeckt. Den aktuellen Strommix für Niederösterreich können Sie unter www.energiebewegung.at kontrollieren.

Schlechte Klima- und Wasserbilanz

Die Klimabilanz der Skipisten ist daher ernüchternd, 52.500 Tonnen des Treibhausgases CO2 werden allein für die Schneeerzeugung emittiert (Anm. Annahme ENTSOE Strommix 350 g CO2/kWh).

Und auch beim Wasserbedarf sieht es sehr schlecht aus: Für die Kunstschneeproduktion sind je nach Wetterlage pro Saison zwischen 1.000 und 5.000 Kubikmeter Wasser pro Hektar notwendig. In Summe werden bei 3.000 Kubikmetern Wasserverbrauch pro Hektar 45 Milliarden Liter Wasser für die Beschneiung der österreichischen Skipisten aufgewendet. Dies entspricht dem jährlichen Wasserverbrauch von rund 950.000 Personen. Muss das Wasser für die Beschneiung zu den Schneekanonen gepumpt werden, erhöht dies zusätzlich den Energiebedarf.

Die Zukunft des Wintersports

Laut österreichischem Sachstandsbericht Klimawandel ist in der Höhenlage zwischen 1.000 und 2.000 Meter mit einer 30 Tage kürzeren Schneebedeckung zu rechnen. Aufgrund der höheren Temperaturen und regelmäßigen Regenfällen auch im Winter kann trotz Schneekanonen kein durchgängiger Skibetrieb gewährleistet werden.

Durch Investitionen in effizientere Systeme und nachhaltige Planung könnte der Energie- und Wasserbedarf für höher gelegene Skigebiete wesentlich gesenkt werden, denn ein beträchtlicher Teil der eingesetzten Wasser- und Energieressourcen zur Kunstschneeerzeugung kommen gar nicht auf den Skipisten an. Aufgrund von Verdunstung und Verwehungen ergeben sich Verluste von bis zu 30 Prozent.

Durch effizientere Kunstschneeerzeugungsmethoden und Beschneiung in Abhängigkeit von Windgeschwindigkeiten kann der Ressourcenverbrauch erheblich gesenkt werden. Der notwendige Wasserdruck für Beschneiungsanlagen kann durch Ausnutzung von Gefälle und Schwerkraft zumindest teilweise auch ohne elektrische Pumpen zur Verfügung gestellt werden.

Ohne „Naturschnee von oben“ wird Wintersport mit hoher Schneesicherheit in Zukunft nur durch hohen Ressourceneinsatz möglich sein.

Weiterführende Links

Naturland NÖ: Kunstschnee und seine Auswirkungen auf die Natur
Wir leben nachhaltig: Alternative Wintersportmöglichkeiten
Energiebewegung NÖ: Winterurlaub mit den Öffis 
Energieberatung NÖ: Ausgezeichnet Urlauben

Letzte Aktualisierung: 23.03.2017