Schon kleine Anpassungen können große Wirkung erzielen. Böheimkirchen zeigt, wie Gemeinden durch die gezielte Analyse von Energiedaten ohne Investitionskosten Strom sparen können.
In der Marktgemeinde Böheimkirchen wurden durch konsequente Energiebuchhaltung und gezielte Analyse von Verbrauchsdaten erhebliche Einsparungen erzielt – ganz ohne Investitionskosten. Das Praxisbeispiel zeigt, wie im Kindergarten Aufeldstraße II durch die Optimierung der Lüftungsanlage der Stromverbrauch deutlich reduziert werden konnte. Das Projekt verdeutlicht, wie wichtig engagierte Energiebeauftragte und der bewusste Umgang mit Energiedaten für kommunale Gebäude sind.
Die wichtigsten Fakten
Standort: Marktgemeinde Böheimkirchen
Gemeindegröße: ~ 5.100 Einwohnerinnen und Einwohner
Gebäude: Kindergarten
Ausgangsverbrauch: 23.800 kWh Strom pro Jahr
Verbrauch nach Optimierung: 20.200 kWh pro Jahr
Einsparung: 3.500 kWh entspricht € 900 pro Jahr
Maßnahmen: Stromeffizienzberatung, Analyse der Smart-Meter-Daten und Optimierung der Betriebszeiten
Investitionskosten: keine
Laufzeit: 2023
Hoher Stromverbrauch als Ausgangspunkt
Der Kindergarten Aufeldstraße II wurde 2009 in Betrieb genommen und umfasst vier Gruppen. Die Wärmeversorgung erfolgt über eine Pelletsheizung in Kombination mit einer 12 m² großen thermischen Solaranlage. Zusätzlich verfügt das Gebäude über eine zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung.
Im Rahmen der laufenden Energiebuchhaltung fiel auf, dass der Stromverbrauch des Kindergartens (mit rund 23.800 kWh pro Jahr) deutlich über dem vergleichbarer Kindergärten in Niederösterreich lag. Besonders auffällig war dabei der Anteil der Lüftungsanlage am Gesamtverbrauch. Um die Ursachen genauer zu analysieren, nutzte die Gemeinde das kostenlose Angebot einer Stromeffizienzberatung der Energie- und Umweltagentur des Landes NÖ (eNu).
Die kostenlose Stromeffizienzberatung der eNu analysiert Verbrauchsdaten und Gebäude vor Ort und liefert konkrete Empfehlungen zur Senkung von Stromverbrauch und -kosten.
Durch die Analyse der Smart-Meter-Daten und der Energiebuchhaltung gemeinsam mit einem Experten der eNu erkannte die Gemeinde Böheimkirchen rasch, dass die Lüftungsanlage für den hohen Stromverbrauch verantwortlich war. Die Auswertung zeigte, dass die Anlage nahezu durchgehend – auch außerhalb der tatsächlichen Nutzungszeiten – in einer hohen Betriebsstufe lief. Daraufhin wurden die Betriebszeiten schrittweise an den tatsächlichen Bedarf angepasst. Die Optimierungen konnten direkt vom Energiebeauftragten umgesetzt werden und verursachten keinerlei Kosten.
Spürbare Einsparungen ohne Investitionen
Die Optimierung der Betriebszeiten und Leistungsstufen führte zu einer deutlichen Reduktion des Stromverbrauchs. Nach Umsetzung der Maßnahmen sank der jährliche Verbrauch auf rund 20.200 kWh. Damit konnten etwa 3.500 kWh Strom beziehungsweise rund 900 Euro pro Jahr eingespart werden.
Besonders bemerkenswert ist dabei, dass die Einsparung ohne zusätzliche Investitionen erzielt wurde. Die Amortisation erfolgte somit sofort. Gleichzeitig konnten auch die Leistungsspitzen reduziert werden, was zusätzlich zur Netz- und Energieeffizienz beiträgt.
Das Beispiel zeigt, wie wertvoll eine konsequente Energiebuchhaltung und der Vergleich verschiedener Gemeindegebäude sind. Gleichzeitig unterstreicht das Projekt die wichtige Rolle engagierter Energiebeauftragter, die Energiedaten laufend analysieren und Optimierungspotenziale aktiv nutzen.
Wir sind stolz darauf, dass wir in Böheimkirchen mit einfachen Maßnahmen und ohne zusätzliche Investitionen eine spürbare Energieeinsparung erreichen konnten. Das Projekt zeigt, wie viel Potenzial bereits in bestehenden Gebäuden steckt, wenn man Energiedaten konsequent nutzt und Optimierungen umsetzt.
Die Marktgemeinde Böheimkirchen zeigt, dass bereits kleine organisatorische Maßnahmen große Wirkung entfalten können. Smart-Meter-Daten und Energiebuchhaltung liefern wertvolle Hinweise auf unnötige Verbräuche und helfen dabei, technische Anlagen besser an die tatsächliche Nutzung anzupassen.
Besonders wichtig ist dabei eine engagierte Ansprechperson innerhalb der Gemeinde, die die Energiedaten regelmäßig überprüft und Optimierungspotenziale erkennt. Viele Einsparungen lassen sich bereits durch Anpassungen bestehender Systeme erzielen – ohne zusätzliche Investitionen oder aufwendige Umbauten.
Als nächster Schritt wird in Böheimkirchen bereits die Umstellung der Innenbeleuchtung auf LED-Technologie geprüft, um den Stromverbrauch des Kindergartens weiter zu reduzieren.