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NÖ zeigt Bürgerenergie in der Praxis

Wie Gemeinden, Regionen, Bürgerinnen und Bürger die Energiewende gemeinsam vorantreiben, stand beim Besuch einer lettischen Fachdelegation im Fokus. Die eNu präsentierte Energiegemeinschaften, kommunale Initiativen und innovative Lösungen.

Gruppenbild mit lettischer Delegation beim Göttweigblick

Bei einer dreitägigen Studienreise durch Niederösterreich und Wien informierten sich 17 Vertreterinnen und Vertreter aus lettischen Gemeinden, Städten und der Planungsregion Kurzeme über die praktische Umsetzung von Bürgerenergie. Auf Initiative des Latvian Rural Forum ermöglichte das Programm einen direkten Austausch mit niederösterreichischen Gemeinden, Energiegemeinschaften und Fachleuten.

Der Erfahrungsaustausch bot Raum für konkrete Fragen aus der kommunalen Praxis: Welche organisatorischen und rechtlichen Rahmenbedingungen braucht eine Energiegemeinschaft? Wie lassen sich Bürgerinnen und Bürger einbinden? Welche Rolle übernehmen Gemeinden und wie können die Modelle langfristig wirtschaftlich und sozial wirksam gestaltet werden?

Die Studienreise stärkte den internationalen Wissenstransfer und machte sichtbar, wie niederösterreichische Erfahrungen für andere europäische Regionen nutzbar werden können. Gleichzeitig brachten die Gäste aus Lettland wertvolle Perspektiven aus ihren Gemeinden und Regionen ein.

Vielfalt der Bürger­energie­modelle kennenlernen

Zum Auftakt erhielten die Gäste einen Überblick über die Entwicklung und Rahmen­bedingungen von Energie­gemeinschaften in Österreich. Am Beispiel der Energie­gemeinschaft SWEG in Schwechat wurde sichtbar, wie lokal erzeugter, erneuerbarer Strom gemeinschaftlich genutzt werden kann und die Integration von größeren Betrieben und damit Verbrauchern und Erzeugern funktioniert.

Im weiteren Verlauf der Reise besuchte die Delegation die Energie­gemeinschaften Guntramsdorf und Baden bei Wien. Die EEG Guntramsdorf wurde 2026 als eines von fünf österreichischen Best-Practice-Beispielen des Klima- und Energiefonds ausgezeichnet. Ihr Modell verknüpft mehr als 40 lokale mit zwei regionalen Energie­gemeinschaften. So wird regional erzeugter Sonnenstrom möglichst nahe am Erzeugungsort genutzt – das entlastet das Verteilnetz und stärkt die regionale Wertschöpfung. Eine eigens entwickelte digitale Plattform unterstützt die transparente Abrechnung und optimiert Energieflüsse anhand von Erzeugungs-, Verbrauchs- und Wetterprognosen. Mitmachen können Haushalte, Betriebe und lokale Einrichtungen – auch ohne eigene Photovoltaikanlage.

In Baden bei Wien standen kommunale Zugänge zur Bürgerenergie sowie die Verbindung von Energie-, Mobilitäts- und Klima­anpassungs­maßnahmen im Rahmen der KEM Baden (Klima- und Energie Modellregion) im Mittelpunkt. Bei einem Rundgang durch die Stadt diskutierte die Delegation Ansätze zur klimafitten Gestaltung des öffentlichen Raums, zur nachhaltigen Mobilität und zu den Herausforderungen der Energiewende im denkmalgeschützten Gebäudebestand.

Am zweiten Tag führte die Studienreise in die Regionen Krems, Maria Anzbach und St. Pölten. Die Energiegemeinschaft Göttweigblick zeigte, wie Bürgerinnen und Bürger die Energiewende selbst mitgestalten können: Eine gemeinschaftlich finanzierte Photovoltaikanlage und ein eigener Speicher schaffen die Grundlage für lokal erzeugten und genutzten Sonnenstrom. Das von der Energie- und Umweltagentur Niederösterreich entwickelte Bürger­beteiligungs­projekt „Sonnenkraftwerk NÖ“ stärkt dabei die Beteiligung und regionale Identifikation mit dem Projekt.

In Maria Anzbach stand mit der Energie­gemeinschaft Elsbeere ein Projekt im Mittelpunkt, das Bürgerenergie mit Innovation verbindet. Forschungsprojekte und die Auseinandersetzung mit bidirektionalem Laden zeigen, wie Elektrofahrzeuge künftig nicht nur Strom beziehen, sondern bei Bedarf auch als flexible Speicher in das Energiesystem eingebunden werden können.

Mit Robin Powerhood wurde anschließend ein sozial orientierter Zugang zu Bürgerenergie vorgestellt. Das Modell setzt sich dafür ein, auch energiearmen Haushalten eine Teilhabe an erneuerbarer, regional erzeugter Energie zu ermöglichen. Damit verbindet die Energiegemeinschaft Klimaschutz mit sozialer Verantwortung und leistet einen Beitrag zu einer fairen Energiewende.

Den Abschluss des Tages bildete die Energie­gemeinschaft Energie.Region St. Pölten. Sie verdeutlicht, wie regionale Kooperationen im größeren Maßstab funktionieren können: Durch die Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteurinnen und Akteure werden Erzeugung und Verbrauch von erneuerbarer Energie über Gemeindegrenzen hinweg vernetzt und zukunftsfähig weiterentwickelt.

Von ländlichen Regionen bis zum urbanen Quartier

Die Reise zeigte bewusst eine große Bandbreite: von ländlichen und regionalen Energiegemeinschaften über kommunal getragene und sozial orientierte Modelle bis hin zu urbanen Quartierslösungen.

Damit standen am dritten Tag ergänzend mit der Wärme- und Stromgemeinschaft Smart City Baumgarten und einem Raus aus Gas-Rundgang in Wien Beispiele für zukunftsorientierte Stadtentwicklung auf dem Programm. Dabei ging es um 100 Projekte Raus aus Gas der Bundeshauptstadt.

Serviceangebot der eNu

Sie möchten sich genauer informieren? Auf unserer Website finden Sie nähere Details zum Thema Bürgerenergie. Oder interessieren Sie sich konkret für Energie­gemeinschaften in Ihrer Umgebung? Diese finden Sie am besten unter www.stromverbindet.gv.at.

Wenn Sie eine bestehende Energie­gemeinschaft weiterentwickeln möchten, dann können Sie dafür die eNu-Partnerschaft für Energiegemeinschaften nutzen.

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