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Parkbad neu gedacht: Energie sparen mit System

Das Beispiel aus Waidhofen an der Ybbs zeigt, wie Gemeinden mit einfachen Maßnahmen und kluger Planung ihren Strombedarf deutlich günstiger decken können.

Freibad in Waidhofen an der Ybbs.

Steigende Energiepreise und knappe Gemeindebudgets stellen viele Kommunen vor die Frage, wie sich der Betrieb energieintensiver Einrichtungen langfristig absichern lässt. Gerade Freibäder zählen zu den größten Strom­verbrauchern im Sommer und bieten gleichzeitig großes Potenzial für innovative Energie­lösungen. Das Beispiel aus Waidhofen an der Ybbs zeigt, wie durch die intelligente Kombination bestehender Infrastruktur, Photovoltaik und moderner Steuerungs­systeme nicht nur der Eigen­verbrauch deutlich erhöht, sondern auch die laufenden Kosten nachhaltig gesenkt werden können.

Die wichtigsten Fakten

  • Standort: Stadtgemeinde Waidhofen an der Ybbs
  • Gemeindegröße: 11.000 Einwohner
  • Gebäude: Parkbad, Eishalle
  • Ausgangsverbrauch: 130.000 kWh Strom pro Jahr
  • Einsparung: 104.000 kWh durch Eigenabdeckung entspricht € 24.000 pro Jahr
  • Maßnahmen: PV-Anlage (Direktleitung von Eishalle zu Parkbad), intelligente Steuerung der Pumpen und der gesamten Beheizung sowie Wasseraufbereitung
  • Investitionskosten: 38.000 € (nach Abzug von Förderungen)
  • Laufzeit: 2024 bis 2025
  • Amortisation: 2 Jahre

Ausgangssituation: Hoher Energie­bedarf trifft auf ungenutzte Potenziale

Viele Gemeinden stehen vor der Herausforderung, steigende Energie­kosten in energieintensiven Einrichtungen zu bewältigen. Besonders Freibäder zählen zu den größten Strom­verbrauchern im kommunalen Bereich, da Pumpen, Wasser­aufbereitung und technische Anlagen während der Saison durchgehend betrieben werden müssen. Auch in Waidhofen an der Ybbs zeigte sich dieses Bild deutlich: Das Parkbad verursachte einen jährlichen Strom­verbrauch von rund 130.000 kWh, konzentriert auf wenige Sommer­monate.

Gleichzeitig befand sich in unmittelbarer Nähe eine Eis­halle mit einer großen, bislang ungenutzten Dach­fläche. Während das Park­bad im Sommer viel Energie benötigt, ist die Eishalle primär im Winter in Betrieb. Diese gegenläufigen Nutzungs­zeiten eröffneten ein erhebliches Potenzial für eine intelligente Energie­lösung, das zunächst jedoch ungenutzt blieb.

Umsetzung: Photovoltaik mit Direktleitung und intelligenter Steuerung

Die Stadt entschied sich, dieses Potenzial gezielt zu nutzen und errichtete auf dem Dach der Eishalle eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 168 kWp. Über eine Direktleitung wird der erzeugte Strom zum Parkbad geführt, sodass die Energie genau dort eingesetzt wird, wo sie im Sommer am dringendsten benötigt wird.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor war die intelligente Steuerung der technischen Anlagen. Pumpen, Beheizung und Wasser­aufbereitung wurden so abgestimmt, dass sie bevorzugt dann laufen, wenn ausreichend Sonnen­strom zur Verfügung steht. Dadurch konnte der Eigen­verbrauch maximiert und der externe Strom­bezug deutlich reduziert werden.

Rund 80 Prozent des Strom­bedarfs des Parkbads werden heute durch die eigene Photovoltaik­anlage gedeckt. Überschüssige Energie wird nicht ungenutzt gelassen, sondern in eine Bürger­energiegemeinschaft eingespeist. Damit entsteht ein zusätzlicher regionaler Nutzen über die eigene Anlage hinaus.

Zwei Personen bei einem Gespräch zu erneuerbarer Energie.

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Entlastung des Gemeinde­budgets

Die Auswirkungen auf die Betriebs­kosten sind erheblich. Während vor der Umsetzung jährliche Strom­kosten von rund 30.000 Euro anfielen, konnte dieser Betrag auf etwa 6.000 Euro reduziert werden. Daraus ergibt sich eine jährliche Einsparung von rund 24.000 Euro.

Ein wesentlicher Erfolgs­faktor war dabei auch die gezielte Nutzung von Förder­mitteln. Durch KIP-Mittel, eine Bundes­förderung für Photovoltaik sowie zusätzliche Unterstützung für Freizeit­einrichtungen konnte die Gesamt­investition deutlich reduziert werden. Von den ursprünglichen Projekt­kosten in Höhe von rund 119.000 Euro verblieb für die Gemeinde ein Eigen­anteil von etwa 38.000 Euro.

In Kombination mit den hohen Einsparungen ergibt sich eine Amortisationszeit von rund zwei Jahren – ein überzeugendes Beispiel dafür, wie sich Investitionen in erneuerbare Energie auch finanziell schnell bezahlt machen. Gleichzeitig trägt der effiziente Betrieb dazu bei, den langfristigen Erhalt des Freibades nachhaltig zu sichern.

Seit Jahren setzen wir konsequent auf eine Photovoltaik-Strategie, die vor allem Dachflächen nutzt. Dabei ist es wichtig, gezielt Schwerpunkte zu setzen und genau dort zu handeln, wo der Energiebedarf am höchsten ist. Dieses Projekt macht deutlich, dass sich aktives Engagement und Zusammenarbeit lohnen.
Werner Krammer, Bürgermeister von Waidhofen an der Ybbs

Was andere Gemeinden daraus mitnehmen können

Das Beispiel Waidhofen/Ybbs zeigt, wie wichtig eine ganzheitliche Betrachtung von Energie­verbrauch und vorhandenen Flächen ist. Oft liegen große Potenziale nicht in neuen Flächen, sondern in bereits bestehenden Gebäuden und deren Kombination. Entscheidend ist, Energie­bedarf und Erzeugung zeitlich und räumlich sinnvoll zu verknüpfen.

Ebenso wird deutlich, dass intelligente Steuerungs­systeme eine zentrale Rolle spielen, um den Eigen­verbrauch zu maximieren und die Wirtschaftlichkeit zu steigern. Technische Lösungen allein reichen nicht aus – erst durch die richtige Abstimmung entfalten sie ihre volle Wirkung.

Als Experten­organisation unterstützt die NÖ Energie- und Umweltagentur Gemeinden dabei, genau solche Potenziale zu identifizieren und wirtschaftlich umzusetzen. Von der ersten Analyse über die Planung bis hin zur Umsetzung von Photovoltaik-Projekten und Energie­gemeinschaften stehen praxisnahe Lösungen im Mittelpunkt, die langfristig Kosten senken und die regionale Energie­versorgung stärken.

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Andreas Bauer

Photovoltaik, Speicher, PV-Freiflächen

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