Ein ehrenamtlich organisierter E-Fahrtendienst zeigt, wie Gemeinden Mobilität verbessern und gleichzeitig Kosten senken können.
Mobilität im ländlichen Raum stellt viele Gemeinden vor Herausforderungen. Eichgraben hat mit einem gemeinnützigen E-Fahrtendienst eine Lösung geschaffen, die den öffentlichen Verkehr sinnvoll ergänzt, das Gemeindebudget entlastet und gleichzeitig den sozialen Zusammenhalt stärkt.
Die wichtigsten Fakten
- Standort: Marktgemeinde Eichgraben
- Gemeindegröße: 4.800 Einwohnerinnen und Einwohner
- Maßnahmen: Gründung Verein ElektroMobil Eichgraben mit e-Fahrtendienst und e-Carsharing
- Ausgaben für Gemeinde: € 2.400 – € 4.000 pro Jahr (Stromkosten für Laden der Fahrzeuge)
- Einsparung für Gemeinde: ~ € 45.000 pro Jahr
- Amortisation: im ersten Jahr
- Laufzeit: seit 2015
Hohe Kosten und unzureichendes Mobilitätsangebot
Wie viele Gemeinden stand auch Eichgraben vor der Herausforderung, dass der innerörtliche öffentliche Verkehr die Bedürfnisse der Bevölkerung nur eingeschränkt erfüllte. Besonders ältere Menschen waren häufig auf Angehörige oder Nachbarinnen und Nachbarn angewiesen, während Familien viele Alltagswege mit dem Auto erledigten. Die hügelige Lage erschwerte zusätzlich das Zu-Fuß-Gehen oder Radfahren.
Bis 2015 wurde in Eichgraben ein Anrufsammeltaxi betrieben. Dieses verursachte für die Gemeinde jährliche Kosten von rund 50.000 Euro, während die Nutzerinnen und Nutzer nur einen geringen Eigenbeitrag leisteten. Um langfristig eine wirtschaftlichere und zugleich nachhaltige Lösung zu schaffen, wurde nach einer Alternative gesucht.
Ehrenamtlicher e-Fahrtendienst als Alternative
Auf Initiative von Johannes Maschl entstand 2015 der gemeinnützige Verein ElektroMobil Eichgraben. Die Gemeinde unterstützte den Aufbau durch die Errichtung der erforderlichen Ladeinfrastruktur und finanzierte den Betrieb in den ersten Jahren mit rund 5.000 Euro jährlich.
Die Fahrzeuge wurden in den ersten beiden Vereinsjahren zunächst gemietet. In den darauffolgenden neun Jahren setzte der Verein auf e-Fahrzeuge die gebraucht gekauft wurden. Heute werden die Fahrzeuge geleast. Die Finanzierung der Fahrzeuge erfolgt über die Mitgliedsbeiträge des e-Fahrtendienstes sowie über die Einnahmen aus dem e-Carsharing. Die Gemeinde übernimmt aktuell im Wesentlichen die Stromkosten für die Elektrofahrzeuge, die je nach Fahrleistung zwischen 2.500 und 4.000 Euro pro Jahr liegen.
Der e-Fahrtendienst versteht sich ausdrücklich nicht als Taxiunternehmen. Die Fahrten werden von ehrenamtlichen Fahrerinnen und Fahrern durchgeführt und richten sich insbesondere an Menschen ohne eigenes Auto, Personen mit eingeschränkter Mobilität oder alle, die bewusst auf das eigene Fahrzeug verzichten möchten. Finanziert wird das Angebot unter anderem über einen Mitgliedsbeitrag von 29,90 Euro pro Monat, in dem sämtliche Fahrten enthalten sind. Ergänzend besteht die Möglichkeit, auch das e-Carsharing-Angebot des Vereins zu nutzen.
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Malte Reiter – stock.adobe.com
Von der Idee zur Umsetzung
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Kosteneinsparung und sozialer Mehrwert
Das Modell hat sich für die Gemeinde rasch bewährt. Während das frühere Anrufsammeltaxi rund 50.000 Euro pro Jahr kostete, liegen die laufenden Ausgaben der Gemeinde heute bei maximal 5.000 Euro jährlich. Damit amortisierte sich die Umstellung bereits im ersten Jahr. Seit dem Start des Projekts wurden rund 700.000 Kilometer zurückgelegt und etwa 60.000 Liter Treibstoff eingespart. Rund 14 Prozent der Eichgrabner Bevölkerung sind mittlerweile Mitglied im Verein und nutzen das Angebot regelmäßig.
Neben den ökologischen und wirtschaftlichen Vorteilen hat das Projekt auch eine wichtige soziale Komponente. Das ehrenamtliche Engagement stärkt das Miteinander in der Gemeinde und ermöglicht insbesondere weniger mobilen Menschen eine selbstbestimmte Teilnahme am gesellschaftlichen Leben.
Der Verein ElektroMobil Eichgraben besteht seit nunmehr über zehn Jahren und ist aus Eichgraben nicht mehr wegzudenken. Die anfängliche Skepsis in der Bevölkerung sowie auch bei Gewerbetreibenden ist längst in breite Zustimmung und Begeisterung umgeschlagen. Mein großer Dank gilt dem Gründungsvater und Obmann Johannes Maschl sowie seinem Team aus freiwilligen Helferinnen und Helfern für ihr unermüdliches Engagement. Ich bin stolz, ein so gelungenes Mobilitäts- und zugleich Sozialprojekt in unserer Gemeinde verankert zu haben.
Georg Ockermüller, Bürgermeister von Eichgraben
Was andere Gemeinden daraus lernen können
Das Beispiel Eichgraben zeigt, dass nachhaltige Mobilitätsangebote nicht zwangsläufig mit hohen laufenden Kosten verbunden sein müssen. Gemeinden können durch die Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen, wie etwa durch die Bereitstellung der Ladeinfrastruktur oder eine Anschubfinanzierung, ehrenamtlich organisierte Mobilitätsprojekte ermöglichen und langfristig sowohl das Budget entlasten als auch die Lebensqualität erhöhen. Voraussetzung für den dauerhaften Erfolg ist jedoch ein engagiertes Team freiwilliger Fahrerinnen und Fahrer, das den Betrieb des Angebots trägt.
Gemeinden, die einen e-Fahrtendienst aufbauen möchten, profitieren von den Erfahrungen erfolgreicher Vorreiter wie Eichgraben. Gleichzeitig müssen sie zahlreiche Fragen klären – von der organisatorischen Umsetzung über die Finanzierung bis hin zur Motivation der ehrenamtlicher Fahrerinnen und Fahrer. Die Energie- und Umweltagentur des Landes Niederösterreich (eNu) begleitet Gemeinden auf diesem Weg mit einem umfassenden Unterstützungspaket. Dieses umfasst kostenlose Mustervorlagen, individuelle Beratungen und Seminare sowie professionelle Kommunikationsmaßnahmen und Informationsveranstaltungen für die Bevölkerung. So erhalten Gemeinden das notwendige Know-how und praxiserprobte Werkzeuge, um einen e-Fahrtendienst erfolgreich zu planen, umzusetzen und langfristig in der Gemeinde zu etablieren.
Niederösterreich ist Vorreiter in Sachen e-Fahrtendienst. Es gibt etwa 120 Gemeinden, in denen e-Fahrtendienst und/oder ein e-Carsharing angeboten wird. Werden auch Sie mit Ihrer Gemeinde ein Teil davon – wir unterstützen Sie dabei!
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