Mit Photovoltaik, Stromspeicher und einem Bürgerbeteiligungsmodell zeigt Kirchberg am Wagram, wie Vereine ihre Energieversorgung zukunftsfit gestalten können.
Sportanlagen zählen zu den energieintensiven Einrichtungen. Mit einer Photovoltaikanlage, einem Stromspeicher und einer innovativen Finanzierungslösung hat der USC Kirchberg am Wagram-Altenwörth seine Energieversorgung nachhaltig optimiert. Das Projekt zeigt, wie Gemeinden und Vereine gemeinsam Betriebskosten senken, erneuerbare Energie nutzen und gleichzeitig die Bevölkerung aktiv einbinden können.
Die wichtigsten Fakten
Standort: Marktgemeinde Kirchberg am Wagram
Gemeindegröße: 3.900 Einwohnerinnen und Einwohner
Gebäude: Vereinsgebäude USC Kirchberg am Wagram-Altenwörth, Sportplatz mit Flutlichtanlage und Bewässerungssystem
Ausgangsverbrauch: 60.000 kWh Strom pro Jahr
Verbrauch nach Optimierung: 45.000 kWh pro Jahr
Einsparung pro Jahr: € 4.500 (15.000 kWh)
Maßnahmen: PV-Anlage und Speicher über Bürgerbeteiligung
Investitionskosten: 21.000 € (nach Abzug von Förderungen)
Amortisation: 4,7 Jahre
Umsetzung: 2026
Hoher Energiebedarf am Sportplatz
Das Vereinsgebäude des USC Kirchberg am Wagram-Altenwörth wurde 2019 von der Gemeinde neu errichtet und wird vom Verein gepachtet. Während der rund zehn Monate dauernden Spielsaison nutzen insgesamt 13 Mannschaften die Anlage. Die Energieversorgung erfolgt vollständig elektrisch. Eine Luftwärmepumpe sorgt für Heizung und Warmwasser, zusätzlich werden auch die Flutlichtanlage und die Bewässerung elektrisch betrieben.
Mit einem jährlichen Stromverbrauch von rund 60.000 Kilowattstunden und Energiekosten von etwa 18.000 Euro stellte der laufende Betrieb eine erhebliche finanzielle Belastung dar. Gleichzeitig bot das Gebäude gute Voraussetzungen, um einen Teil des Energiebedarfs künftig selbst zu erzeugen.
Mehr Eigenstrom durch Photovoltaik und Speicher
Um den Eigenversorgungsgrad zu erhöhen und die Energiekosten langfristig zu reduzieren, wurde eine Photovoltaikanlage mit 20 kWp installiert und mit einem Stromspeicher von 25 kWh kombiniert. Das Zusammenspiel beider Systeme ermöglicht eine besonders hohe Nutzung des selbst erzeugten Stroms direkt vor Ort.
Heute werden rund 97 Prozent der erzeugten Solarenergie, direkt und zwischengespeichert, im Vereinsgebäude genutzt. Dadurch können jährlich etwa 15.000 Kilowattstunden, was rund ein Viertel des gesamten Strombedarfs entspricht, durch selbst erzeugten Strom gedeckt werden. Als weiterer Schritt ist die Umrüstung der Flutlichtanlage auf LED-Technologie geplant, um den Energiebedarf zusätzlich zu senken.
Die Gesamtinvestition betrug 36.000 Euro. Durch Förderungen des Sportfachverbands, des Sportdachverbands, von Sportland Niederösterreich sowie Bundesförderungen für Photovoltaik reduzierte sich der Finanzierungsbedarf auf 21.000 Euro. Da der Verein diese Summe nicht aus Eigenmitteln aufbringen konnte, wurde das Beteiligungsmodell „Sonnenkraftwerk Gemeinde“ der Energie- und Umweltagentur des Landes Niederösterreich (eNu) genutzt. Insgesamt wurden 45 Beteiligungsbausteine ausgegeben, die vollständig von Vereinsmitgliedern und Unterstützerinnen und Unterstützern finanziert wurden.
Durch die Eigenstromerzeugung sinken die jährlichen Energiekosten von rund 18.000 Euro auf etwa 13.500 Euro. Das entspricht einer Einsparung von rund 4.500 Euro pro Jahr. Die Investition amortisiert sich damit bereits nach rund 4,7 Jahren und macht den Verein gleichzeitig unabhängiger von steigenden Strompreisen. Über eine angenommene Laufzeit von 25 Jahren erspart sich die Gemeinde rund 112.000 Euro.
Die Idee zu diesem Projekt bestand seit Längerem, wurde jedoch erst durch die Initiative der KEM Wagram und das tolle Engagement von GfGR Daniela Direder ins Rollen gebracht. Auch das aktive Mitgestalten durch den Verein selbst war ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Die Gemeinde unterstützte das Vorhaben von Beginn an, wobei die Umsetzung eigenständig durch den Verein erfolgte.
Franz Aigner, Bürgermeister der Marktgemeinde Kirchberg am Wagram
Was können Gemeinden daraus lernen?
Das Projekt in Kirchberg am Wagram zeigt, dass sich auch Sport- und Freizeiteinrichtungen erfolgreich in die kommunale Energiewende einbinden lassen. Gerade dort, wo ein hoher Stromverbrauch mit einer guten Dachfläche zusammenkommt, bieten Photovoltaikanlagen in Kombination mit Stromspeichern großes Potenzial. Ein hoher Eigenverbrauch verbessert die Wirtschaftlichkeit und senkt die laufenden Betriebskosten nachhaltig.
Ebenso zeigt das Beispiel, dass innovative Finanzierungsmodelle die Umsetzung erleichtern können. Mit dem eNu-Beteiligungsmodell „Sonnenkraftwerk“ wurde die Bevölkerung direkt eingebunden und die Finanzierung gemeinschaftlich getragen. Das stärkt nicht nur die Akzeptanz für das Projekt, sondern auch den Zusammenhalt im Ort. Gemeinden können daraus mitnehmen, dass die Energiewende besonders dann gelingt, wenn Verwaltung, Vereine und engagierte Bürgerinnen und Bürger gemeinsam an einem Strang ziehen.
Dieses Vorzeigeprojekt wurde 2026 mit dem Innovationspreis im Rahmen der „NÖ Speicherliga“ der Energie- und Umweltagentur des Landes Niederösterreich ausgezeichnet.