Wie Gemeinden bestehende Photovoltaik-Anlagen besser auslasten und gleichzeitig Betriebskosten senken können, zeigt dieses Praxisbeispiel aus Bruck an der Leitha.
Nicht jede kommunale Einrichtung kann ihren Strombedarf mit einer eigenen Photovoltaikanlage decken. Im Rahmen einer Potenzialanalyse der Energie- und Umweltagentur des Landes Niederösterreich (eNu) wurden für das Parkbad in Bruck an der Leitha mögliche Einsparungspotenziale untersucht. Das Ergebnis: Durch die Einbindung in eine kommunale Energiegemeinschaft werden heute rund 96 Prozent des Strombedarfs regional gedeckt – bei deutlich geringeren Energiekosten.
Die wichtigsten Fakten
Standort: Stadtgemeinde Bruck an der Leitha
Gemeindegröße: 8.600 Einwohnerinnen und Einwohner
Gebäude: Freibad
Ausgangsverbrauch: 11.500 kWh Strom pro Jahr entspricht € 3.450 pro Jahr
Einsparung: € 2.240 pro Jahr
Maßnahmen: Eingliederung in die kommunale Energiegemeinschaft
Investitionskosten: keine
Laufzeit: 2025
Hoher Sommerstrombedarf – keine Photovoltaik vor Ort
Das Parkbad in Bruck an der Leitha ist ein wichtiger sommerlicher Treffpunkt für die Bevölkerung. Von Mitte Mai bis September bietet es mit Sport- und Kinderbecken, Wasserrutsche sowie Massage- und Sprudelbecken ein breites Freizeitangebot. Gleichzeitig bringt der Betrieb eines Freibads einen beträchtlichen Energiebedarf mit sich: Vor allem die Wasseraufbereitung benötigt laufend Strom. Der jährliche Stromverbrauch des Parkbads liegt bei rund 11.500 kWh, wodurch jährliche Stromkosten von etwa 3.450 Euro entstanden.
Eine naheliegende Lösung wäre die Eigenversorgung durch eine Photovoltaikanlage gewesen. Aufgrund der Dachkonstruktion und Dachausrichtung des Bades war die Installation jedoch technisch schwierig und wirtschaftlich nicht sinnvoll. Die Stadtgemeinde stand daher vor der Herausforderung, eine alternative Lösung zur Senkung der Energiekosten zu finden.
Regional erzeugter Sonnenstrom
Gemeinsam mit der Klima- und Energie-Modellregion Energie³ und unter Nutzung der eNu-Potenzialanalyse wurden verschiedene Einsparungspotenziale geprüft. Rasch zeigte sich, dass die Einbindung des Parkbads in die Energiegemeinschaft vor Ort den größten Nutzen bringen würde.
In unmittelbarer Nähe des Freibads befindet sich der Bauhof der Stadtgemeinde, der bereits mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet ist. Überschüssig erzeugter Solarstrom wird dort in die Energiegemeinschaft eingespeist und kann von anderen kommunalen Einrichtungen genutzt werden. Genau hier entstand eine ideale Synergie: Das Parkbad benötigt vor allem während sonniger Sommermonate viel Strom – also genau dann, wenn Photovoltaikanlagen ihre höchsten Erträge erzielen.
Durch die Integration in die Energiegemeinschaft kann das Freibad nun regional erzeugten Sonnenstrom direkt nutzen, anstatt den Großteil seines Energiebedarfs aus dem öffentlichen Netz zu beziehen.
Wir unterstützen Sie dabei, Energiekosten gezielt zu senken, Einsparpotenziale aufzudecken und konkrete Maßnahmen für mehr Energieeffizienz direkt umzusetzen.
Ergebnis: 11.000 kWh regional gedeckt und 2.240 Euro jährlich eingespart
Die Wirkung der Maßnahme ist deutlich messbar. Heute werden rund 11.000 kWh des jährlichen Strombedarfs des Parkbads über die Energiegemeinschaft gedeckt. Lediglich etwa 500 kWh müssen weiterhin aus dem öffentlichen Netz bezogen werden.
Auch wirtschaftlich zeigt sich der Nutzen klar: Während der Strombezug vor der Umsetzung rund 3.450 Euro pro Jahr kostete, belaufen sich die Kosten für den Strom aus der Energiegemeinschaft auf etwa 1.210 Euro jährlich. Der verbleibende Netzbezug verursacht rund 500 Euro zusätzliche Kosten. Insgesamt sinken die Stromkosten damit um nahezu zwei Drittel. Die Stadtgemeinde spart rund 2.240 Euro pro Jahr – und das ohne Investitionskosten.
Ein weiterer Vorteil liegt in der besseren Nutzung des lokal erzeugten Stroms. Verbrauchsspitzen im Sommer, insbesondere rund um die Mittagszeit, können gezielt abgefedert werden. Dadurch bleibt ein möglichst großer Anteil der erzeugten Energie innerhalb der Gemeinde und erhöht die regionale Wertschöpfung.
In Bruck an der Leitha und Wilfleinsdorf schauen wir immer, dass wir für die Bürger da sind und effizient agieren. Dass wir mit dieser Energiegemeinschaft die Anlagen der Stadtgemeinde optimal betreiben können, freut mich immens. Denn das spart unmittelbar Kosten für alle Bürgerinnen und Bürger.
Gerhard Weil, Bürgermeister von Bruck an der Leitha
Was Gemeinden daraus lernen können
Das Beispiel aus Bruck an der Leitha zeigt, dass kommunale Energiegemeinschaften auch dort großes Potenzial bieten, wo klassische Photovoltaiklösungen an bauliche Grenzen stoßen. Nicht jedes Gebäude eignet sich für eine eigene PV-Anlage – dennoch kann regional erzeugter Strom effizient genutzt werden, wenn kommunale Verbraucher intelligent vernetzt werden.
Besonders Einrichtungen mit saisonalem oder tageszeitlich planbarem Verbrauch, wie Freibäder, Sportanlagen oder Schulen, eignen sich hervorragend als Abnehmer von lokal erzeugtem Sonnenstrom. Gemeinden können dadurch Energiekosten senken, bestehende PV-Anlagen besser auslasten und gleichzeitig ihre Energieautonomie stärken.