Wie können Gemeinden den Ausbau der Elektromobilität unterstützen, ohne langfristig auf hohen Betriebskosten sitzen zu bleiben? Die Stadtgemeinde Pöchlarn zeigt mit ihrer öffentlichen Ladeinfrastruktur, wie sich Klimaschutz, Service für Bürgerinnen und Bürger sowie wirtschaftliche Nachhaltigkeit erfolgreich verbinden lassen.
Die wichtigsten Fakten
Standort: Stadtgemeinde Pöchlarn
Gemeindegröße: 4.000 Einwohnerinnen und Einwohner
Maßnahmen: Errichtung von drei Ladepunkten mit jeweils 11 kW Leistung, Lademöglichkeit für e-Fahrräder
Investitionskosten: € 9.136
Förderung: € 2.284 (KPC)
Einnahmen: durchschnittlich € 5.000 pro Jahr
Ausgaben: ~ € 3.000 pro Jahr (Strom- und Servicekosten)
Amortisation: unter 4 Jahre
Inbetriebnahme: Frühjahr 2022
Wachsende Nachfrage nach e-Mobilität
Die Gemeinde Pöchlarn stellte bereits früh eine öffentliche Lademöglichkeit für Elektrofahrzeuge zur Verfügung. Der Strom wurde anfangs kostenlos abgegeben – ein niederschwelliges Angebot, das die Elektromobilität fördern sollte. Mit der zunehmenden Verbreitung von e-Fahrzeugen stieg jedoch auch die Nachfrage nach öffentlich zugänglichen Ladepunkten deutlich an. Gleichzeitig zeigte sich, dass ein dauerhaft kostenloses Angebot für die Gemeinde wirtschaftlich kaum tragfähig ist.
Vor diesem Hintergrund entschied sich die Stadtgemeinde, die bestehende Ladeinfrastruktur weiterzuentwickeln und auf ein kostenpflichtiges System umzustellen. Ziel war es, den Betrieb langfristig wirtschaftlich abzusichern und zugleich die Verfügbarkeit der Ladepunkte zu verbessern. Besonders wichtig war dabei, Dauerbelegungen der Ladepunkte zu vermeiden und sicherzustellen, dass die Infrastruktur tatsächlich jenen zur Verfügung steht, die sie zum Laden benötigen.
Ausbau und Umstellung auf ein nachhaltiges Betriebsmodell
Im Zuge des Projekts errichtete die Stadtgemeinde zwei neue öffentliche Ladesäulen. Am Kirchenplatz wurde ein Ladepunkt mit 11 kW Leistung an einem reservierten Stellplatz installiert. Zusätzlich steht dort eine kostenfrei nutzbare Schukosteckdose für das Laden von e-Bikes am angrenzenden Radabstellplatz zur Verfügung. In der Oskar-Kokoschka-Straße wurden zwei weitere Ladepunkte mit jeweils 11 kW geschaffen.
Für Beschaffung, Betrieb und Abrechnung arbeitet die Gemeinde mit der EVN zusammen. Die Ladesäulen wurden über die EVN beschafft und von einem Partnerunternehmen errichtet. Der laufende Betrieb inklusive Abrechnung erfolgt ebenfalls über die EVN, während ein Großteil der Einnahmen aus den Ladeentgelten an die Gemeinde zurückfließt.
Ein wesentlicher Bestandteil der Umstellung war die Einführung eines Bezahlsystems inklusive einer Blockiergebühr. Diese wird nach Abschluss des Ladevorgangs fällig, wenn Fahrzeuge weiterhin auf dem Ladeplatz stehen bleiben. Durch diese Maßnahme konnte verhindert werden, dass Stellplätze dauerhaft blockiert werden. Gleichzeitig setzte die Gemeinde auf transparente Kommunikation und informierte Nutzerinnen und Nutzer frühzeitig über die Änderungen und erklärte die Hintergründe und Vorteile des neuen Systems.
Wir unterstützen Sie im Rahmen der Potenzialanalyse mit unserem Fachwissen und zeigen Ihnen, wo öffentliche Ladepunkte sinnvoll sind und wie sie nachhaltig betrieben werden können.
Ergebnisse: Hohe Auslastung und wirtschaftlicher Erfolg
Die öffentliche Ladeinfrastruktur wird in Pöchlarn sehr gut angenommen. In den ersten vier Betriebsjahren wurden rund 38.500 kWh Strom bei etwa 2.000 Ladevorgängen abgegeben. Das entspricht einer elektrischen Fahrleistung von rund 200.000 Kilometern. Die steigenden Nutzungszahlen zeigen, dass öffentliche Ladepunkte sowohl für Gäste als auch für Bewohnerinnen und Bewohner ohne private Lademöglichkeit zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Auch wirtschaftlich entwickelte sich das Projekt positiv. Die Gesamtinvestition belief sich auf 9.136 Euro. Nach Abzug der Förderung durch die KPC in Höhe von 2.284 Euro verblieben tatsächliche Investitionskosten von 6.852 Euro für die Gemeinde. Den jährlichen Betriebskosten von rund 3.000 Euro für Strom und Service stehen Einnahmen von etwa 5.000 Euro aus Ladevergütungen und THG-Prämien gegenüber. Daraus ergibt sich aktuell ein jährlicher Überschuss von rund 2.000 Euro. Die Investition amortisierte sich dadurch in weniger als vier Jahren und war bereits 2026 vollständig refinanziert.
Es freut mich, dass unsere Ladestationen so gut angenommen werden. Beim damaligen Bau bin ich davon ausgegangen, dass diese Investition zur Unterstützung der Elektromobilität notwendig ist, keinesfalls aber, dass die Kosten wieder hereinkommen!
Das Beispiel Pöchlarn zeigt, dass öffentliche Ladeinfrastruktur nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Mobilitätswende leisten, sondern für Gemeinden auch wirtschaftlich sinnvoll sein kann. Entscheidend sind ein gut gewählter Standort, eine bedarfsgerechte Dimensionierung sowie ein Betriebskonzept, das sowohl Nutzerfreundlichkeit als auch Wirtschaftlichkeit berücksichtigt.
Besonders die Einführung einer Blockiergebühr erwies sich als wirksames Instrument, um die Verfügbarkeit der Ladepunkte sicherzustellen. Gemeinden können daraus mitnehmen, dass Ladeinfrastruktur nicht ausschließlich als Kostenfaktor betrachtet werden sollte. Mit einem durchdachten Modell und starken Umsetzungspartnern kann sie sich langfristig selbst tragen – und gleichzeitig einen spürbaren Mehrwert für Bevölkerung, Gäste und den Klimaschutz schaffen.
Gemeinden, die selbst den Ausbau öffentlicher Ladeinfrastruktur planen, müssen dabei zahlreiche Fragen klären – von der Standortwahl über die technische Auslegung bis hin zu Wirtschaftlichkeit und Fördermöglichkeiten. Genau hier unterstützt die Energie- und Umweltagentur des Landes Niederösterreich (eNu) mit einer Potenzialanalyse zur e-Ladeinfrastruktur. Die eNu hilft Gemeinden dabei, den konkreten Bedarf vor Ort zu analysieren, geeignete Standorte zu identifizieren und eine fundierte Entscheidungsgrundlagen für den Ausbau zu schaffen. Das Beispiel Pöchlarn zeigt, wie wichtig eine strategische Planung ist, um Ladeinfrastruktur langfristig wirtschaftlich und nutzerfreundlich zu betreiben.