Direkt zum Inhalt

PV-Parkplatz­überdachung als Zukunfts­modell für Gemeinden

Das Freizeitzentrum in Waidhofen an der Thaya zeigt, wie Energieerzeugung, Klimaanpassung und moderne Infrastruktur zusammen gedacht werden können.

Der Parkplatz mit PV-Überdachung ist eine Bereicherung für Waidhofen an der Thaya.

Gemeinden stehen zunehmend vor der Herausforderung, bestehende Infrastruktur klimafit zu erneuern und gleichzeitig Energiekosten zu senken. Das Freizeitzentrum in Waidhofen an der Thaya zeigt beispielhaft, wie durch eine intelligente Mehrfachnutzung von Flächen wirtschaftliche und ökologische Vorteile kombiniert werden können. Mit der Errichtung einer großflächigen PV-Parkplatzüberdachung wurde nicht nur ein sanierungsbedürftiger Parkplatz modernisiert, sondern gleichzeitig ein wichtiger Beitrag zur regionalen Energieversorgung und Klimawandelanpassung geleistet.

Die wichtigsten Fakten

  • Standort: Stadtgemeinde Waidhofen an der Thaya
  • Gemeindegröße: 5.200 Einwohnerinnen und Einwohner
  • Gebäude: Parkplatz Freizeitzentrum
  • Verbrauch Freizeitzentrum: 150.000 kWh pro Jahr (~ € 45.000)
  • Maßnahmen: PV-Parkplatz­überdachung, Niveauanhebung Parkplatz, modernes Beleuchtungs­system, e-Ladestationen
  • Kosten: € 33.000 jährliche Pacht für die Gemeinde (22 Jahre), € 804.980 (externe Finanzierung von WEB PV 2 GmbH)
  • Förderung: € 191.644 (Land NÖ)
  • Einsparungen: € 10.000 pro Jahr
  • Umsetzung: 2024 bis 2025

Ausgangslage: Sanierungsbedarf und hoher Energieverbrauch

Der bestehende Parkplatz vor dem Freizeitzentrum mit Freibad, Fitnessstudio, Tennisanlage und Gastronomie war altersbedingt sanierungsbedürftig. Gleichzeitig zeigte das Hochwasser im September 2024, dass Teile des Areals bei Starkregenereignissen überflutet werden können. Die Stadtgemeinde nutzte diese Chance, und konnte notwendige Sanierungs­maßnahmen mit einer nachhaltigen Energie- und Infrastrukturmaßnahme verbinden.

Das Freizeitzentrum weist einen jährlichen Strombedarf von rund 150.000 kWh für die Gemeinde auf. Bei steigenden Energiepreisen bedeutete dies eine erhebliche finanzielle Belastung für die Gemeinde. Gesucht wurde daher eine Lösung, die langfristig Kosten reduziert und gleichzeitig einen Mehrwert für Besucherinnen und Besucher schafft.

Doppelnutzung der Fläche durch PV-Überdachung

Im Zuge des Projekts wurde eine Photovoltaik-Parkplatzüberdachung mit einer Leistung von 367 kWp errichtet. Die Umsetzung erfolgte durch die WEB PV 2 GmbH, ein Tochter­unternehmen der WEB Windenergie AG. Die Stadtgemeinde pachtet die Anlage für 22 Jahre. Danach geht die Anlage in das Eigentum der Gemeinde über.

Neben der Stromproduktion wurde der Parkplatz umfassend modernisiert. Die erforderlichen Einbauten wurden in den Boden integriert und damit wurde das Niveau angehoben. Durch diese Anhebung des Niveaus konnte ein zusätzlicher Schutz vor Überflutungen geschaffen werden. Ergänzend wurde ein intelligentes Beleuchtungssystem installiert, das mittels Bewegungsmeldern bedarfsgerecht gesteuert wird und damit zusätzlich Energie spart.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der nachhaltigen Mobilität. Gemeinsam mit der damaligen ELLA GmbH, heute Teil von Wien Energie, wurden sechs modular aufgebaute E-Ladestationen mit jeweils 11 kW Leistung errichtet. Zusätzlich stehen Ladestationen für E-Bikes zur Verfügung.

Zwei Personen bei einem Gespräch zu erneuerbarer Energie.

Gemeindeberatung PV & Speicher

Bei der kostenlosen Beratung analysieren wir das Potenzial für Photovoltaik, Stromspeicher und Energiegemeinschaften und zeigen auf, wie diese optimal in Ihrer Gemeinde eingesetzt werden können.

Jetzt informieren!

Regionale Energieversorgung stärkt Wertschöpfung vor Ort

Die Pacht der PV-Anlage bemisst sich an den PV-Erträgen und beträgt 33.000 Euro. Der durch die PV-Anlage erzeugte Sonnenstrom ist Eigentum der Gemeinde und wird in den Sommermonaten direkt im Freizeitzentrum genutzt, überschüssige Energie wird eingespeist und bringt Einnahmen für die Gemeinde. Der Überschuss wird überwiegend in die Erneuerbare Energiegemeinschaft Thayaland eingespeist und versorgt dort regionale Mitglieder. Nicht vor Ort genutzter Strom fließt in das öffentliche Netz. Zusätzliche Erlöse werden durch die Ladestationen erzielt.

Für die Gemeinde ergibt sich daraus ein wirtschaftlich attraktives Gesamtpaket: Durch das Projekt können jährlich rund 10.000 Euro an Energiekosten eingespart werden. Nach Ablauf des Pachtvertrags geht die Anlage zudem in das Eigentum der Gemeinde über, wodurch künftig auch die Pachtkosten entfallen. Zukünftig ist die Gründung einer lokalen Energiegemeinschaft gemeinsam mit dem Fitnessstudio und dem Restaurant am Standort vorgesehen. Damit kann noch mehr Strom vor Ort genutzt werden.

Besonders erfreulich für die Gemeinde ist die hohe Akzeptanz bei den Nutzerinnen und Nutzern des Freizeitzentrums. Die Kombination aus beschatteten Stellplätzen, moderner Infrastruktur und e-Lade¬möglichkeiten wird von den Gästen sehr positiv aufgenommen.

Die Rückmeldung der Gäste unseres Freizeitzentrums und des Restaurants sind durchgehend sehr positiv. Besonders erfreulich ist, dass die e-Ladestationen von Beginn an gut genutzt wurden. Positiv überrascht hat mich außerdem, wie reibungslos die Schneeräumung trotz der neuen Parkplatzüberdachung in den Wintermonaten funktioniert hat.

Bürgermeister von Waidhofen an der Thaya, Josef Ramharter.
Josef Ramharter, Bürgermeister von Waidhofen an der Thaya

Was andere Gemeinden daraus lernen können

Das Projekt in Waidhofen/Thaya zeigt eindrucksvoll, wie Gemeinden bestehende Flächen mehrfach nutzen und gleichzeitig verschiedene kommunale Herausforderungen lösen können. Parkplatzflächen bieten großes Potenzial für die Stromproduktion, ohne zusätzliche Bodenversiegelung zu verursachen. Gleichzeitig verbessern Überdachungen die Aufenthaltsqualität und schützen Fahrzeuge vor Hitze und Witterung.

Darüber hinaus verdeutlicht das Beispiel, wie Gemeinden durch Kooperationen mit Energieunternehmen und Energiegemeinschaften Investitionen umsetzen können, ohne die gesamte Finanzierung selbst tragen zu müssen. Die Verbindung aus Klimaschutz, Energiekostensenkung, Hochwasserschutz und nachhaltiger Mobilität macht das Projekt zu einem echten Best-Practice-Beispiel für kommunale Infrastrukturentwicklung.

Downloads

Haben Sie Fragen?

Ich helfe Ihnen gerne weiter.

Portrait von Andreas Bauer

Andreas Bauer

Photovoltaik, Speicher, PV-Freiflächen

Grenzgasse 10, 3100 St. Pölten
+43 2742 219 19 149

E-Mail senden

Weitere Informationen