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Mehr Sonnenstrom, weniger Stromkosten: Lengenfeld als Vorbild

Lengenfeld zeigt, wie Gemeinden mit Photovoltaik, Batteriespeichern und einer Energiegemeinschaft ihre Stromkosten nachhaltig senken können.

Photovoltaik-Anlage in Lengenfeld.

Steigende Energiekosten stellen viele Gemeinden vor große Herausforderungen. Die Marktgemeinde Lengenfeld hat darauf mit einem innovativen Modell reagiert: Gemeinsam mit der EEG Kamptalenergie wurden Photovoltaikanlagen und Batteriespeicher auf drei Standorten der Gemeinde errichtet. Das Ergebnis sind deutlich geringere Energiekosten, eine hohe Versorgungssicherheit und langfristige Preisstabilität und das bei minimalem finanziellem Aufwand für die Gemeinde.

Die wichtigsten Fakten

  • Standort: Marktgemeinde Lengenfeld
  • Gemeindegröße: 1.400 Einwohnerinnen und Einwohner
  • Gebäude: Vereinsgebäude Feuerwehr, Kläranlage und Sportplatz
  • Stromverbrauch der drei Gebäude: 153.000 kWh Strom pro Jahr
  • Stromkosten vor Optimierung: € 38.500
  • Stromkosten nach Optimierung: € 23.250 (= Einsparung von rund € 15.000)
  • Maßnahmen: Errichtung PV-Anlagen und Stromspeicher via Bürgerbeteiligung und Einbindung in die EEG Kamptal-Energie
  • Investitionskosten für Gemeinde: 3.000 € für Vorbereitungsarbeiten
  • Umsetzung: 2026

Hohe Stromkosten bei kommunalen Gebäuden

Die Kläranlage, das Feuerwehrhaus und der Sportplatz der Marktgemeinde Lengenfeld verbrauchen gemeinsam rund 153.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Der gesamte Bedarf wurde bisher überwiegend über das öffentliche Stromnetz gedeckt. Bei einem Strompreis von rund 0,25 Euro pro Kilowattstunde entstanden der Gemeinde dadurch jährliche Stromkosten von etwa 38.500 Euro.

Vor dem Hintergrund steigender Energiepreise suchte die Gemeinde nach einer Lösung, um ihre Energieversorgung regionaler, unabhängiger und gleichzeitig wirtschaftlicher zu gestalten. Ziel war es, den Eigenversorgungsgrad mit erneuerbarer Energie deutlich zu erhöhen und die Energiekosten langfristig kalkulierbar zu machen.

Photovoltaik, Speicher und Energiegemeinschaft als Erfolgsmodell

Im Rahmen des Projekts wurden auf den Dächern der Kläranlage, des Feuerwehrhauses und des Sportclubs Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 62 kWp errichtet. Ergänzt werden diese durch Batteriespeicher mit insgesamt 64 kWh Speicherkapazität. Die Anlagen wurden von der Energiegenossenschaft Kamptalenergie eGen. finanziert, die dafür rund 88.000 Euro investierte. Für die Gemeinde selbst fielen lediglich etwa 3.000 Euro an Vorbereitungskosten für statische Prüfungen sowie Anpassungen an Elektroinstallationen und Zählerkästen an.

Finanziert wurde das Projekt über das Beteiligungsmodell Sonnenkraftwerk Gemeinde der Energie- und Umweltagentur des Landes Niederösterreich (eNu). Die angebotenen Bürgerbeteiligungsbausteine waren innerhalb kürzester Zeit vollständig verkauft. Das Besondere: Die Energiegenossenschaft übernahm die Umsetzung der Bürgerbeteiligung und somit die Investition. Die Gemeinde schloss mit der Energiegenossenschaft einen Stromliefervertrag über 25 Jahre ab und bezieht den erzeugten Sonnenstrom inklusive Speichernutzung zu einem garantierten Fixpreis von 0,11 Euro pro Kilowattstunde – ohne Preisindexierung oder spätere Anpassungen. Das schafft langfristige Budget- und Planungssicherheit.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor war außerdem das große Engagement des gemeindeeigenen Energiebeauftragten Manfred Mölzer, der das Projekt von der Planung bis zur Umsetzung intensiv begleitete. Auch Feuerwehr und Sportverein leisteten wichtige Beiträge: Der Sportclub übernahm die erforderlichen Grabarbeiten in Eigenleistung, die Feuerwehr ergänzte das Projekt um eine eigene Notstromversorgung.

Teaser Sonnenkraftwerk Gemeinde

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Deutlich geringere Energiekosten und hohe Versorgungs­sicherheit

Heute können rund 70 Prozent des Strombedarfs der drei Standorte mit regional erzeugtem Sonnenstrom gedeckt werden. Dadurch reduzieren sich die jährlichen Stromkosten der Gemeinde um rund 15.000 Euro. Über eine angenommene Laufzeit von 25 Jahren ergibt sich daher eine Einsparung von 375.000 Euro. Gleichzeitig profitiert Lengenfeld über die gesamte Vertragslaufzeit von einem stabilen Strompreis und ist deutlich unabhängiger von den Entwicklungen am Energiemarkt. Nach Ende des Vertrages gehen sämtliche Photovoltaik-Anlagen und Speicher in das Eigentum der Gemeinde über.

Als nächster Schritt soll künftig überschüssige Energie aus den Batteriespeichern über eine Peer-to-Peer-Lösung auch für die öffentliche Straßenbeleuchtung genutzt werden. Dadurch kann der Eigenverbrauch des regional erzeugten Stroms weiter gesteigert werden.

Der Erfolg dieses Projekts ist das Ergebnis einer hervorragenden Zusammenarbeit zwischen Gemeinde, Energiegenossenschaft, Feuerwehr und Sportverein. Heute profitieren wir von langfristig planbaren Energiekosten und einer nachhaltigen regionalen Energieversorgung.

Bürgermeister Wolfgang Ettenauer, der Gemeinde Lengenfeld
Wolfgang Ettenauer, Bürgermeister der Marktgemeinde Lengenfeld

Was können Gemeinden daraus lernen?

Das Projekt aus Lengenfeld zeigt, dass sich auch Sport- und Infrastruktureinrichtungen erfolgreich in die kommunale Energiewende einbinden lassen. Gerade dort, wo ein hoher Stromverbrauch mit einer guten Dachfläche zusammenkommt, bieten Photovoltaikanlagen in Kombination mit Stromspeichern großes Potenzial. Ein hoher Eigenverbrauch verbessert die Wirtschaftlichkeit und senkt die laufenden Betriebskosten nachhaltig.

Ebenso zeigt das Beispiel, dass innovative Finanzierungsmodelle, besonders in Zusammenarbeit mit einer Energiegenossenschaft, die Umsetzung erleichtern können. Mit dem eNu-Beteiligungsmodell „Sonnenkraftwerk“ wurde die Bevölkerung direkt eingebunden und die Finanzierung gemeinschaftlich getragen. Das stärkt nicht nur die Akzeptanz für das Projekt, sondern auch den Zusammenhalt im Ort. Gemeinden können daraus mitnehmen, dass die Energiewende besonders dann gelingt, wenn Verwaltung, Vereine und engagierte Bürgerinnen und Bürger gemeinsam an einem Strang ziehen.

Dieses Vorzeigeprojekt wurde 2026 mit dem Innovationspreis im Rahmen der „NÖ Speicherliga“ der Energie- und Umweltagentur des Landes Niederösterreich ausgezeichnet.

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Christoph Schwarz

Betreuung e5-Gemeinden Weinviertel

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