Die Marktgemeinde St. Andrä-Wördern verfolgt seit 2020 konsequent den Ausbau ihrer kommunalen Energieversorgung. Durch die Kombination aus Photovoltaik, Stromspeichern, Energiegemeinschaften und Elektromobilität konnte der Eigenversorgungsgrad auf über 50 Prozent gesteigert und die jährlichen Energiekosten deutlich reduziert werden. Das Projekt zeigt, wie Gemeinden ihre Energieversorgung wirtschaftlich und zukunftssicher gestalten können.
Die wichtigsten Fakten
Standort: Marktgemeinde St. Andrä-Wördern
Gemeindegröße: 8.000 Einwohnerinnen und Einwohner
Stromverbrauch der Gemeinde: 1.500 MWh Strom pro Jahr
Maßnahmen: Ausbau Photovoltaik, Installation von Stromspeichern, Energiegemeinschaften
Einsparung: 850 MWh durch Eigenabdeckung entspricht € 200.000 pro Jahr
Erlöse durch Stromverkauf: € 50.000 (2025)
Investitionskosten: € 1,4 Mio. (nach Abzug von Förderungen)
Umsetzungszeitraum: 2020 bis 2026
Amortisation: 5,6 Jahre
Ausgangssituation: Energiekosten langfristig im Blick
Der jährliche Stromverbrauch der Gemeinde liegt bei rund 1.500 MWh jährlich. Vor Beginn der Maßnahmen beliefen sich die Energiekosten auf etwa 350.000 Euro pro Jahr. Obwohl die Gemeinde aufgrund bestehender Verträge vergleichsweise günstige Strompreise bezahlte, entschied sie sich frühzeitig für eine langfristige Strategie, um unabhängiger von künftigen Preisentwicklungen zu werden und die Eigenversorgung mit erneuerbarer Energie kontinuierlich auszubauen.
Schritt für Schritt zur Eigenversorgung
Der Ausbau der Photovoltaik begann im Jahr 2020 zunächst auf Schulen und Kindergärten. Unterstützt wurde die Umsetzung durch Förderprogramme wie die KEM-Investförderung sowie den Schul- und Kindergartenfonds. Bereits ein Jahr später folgte die zweite Ausbaustufe mit weiteren Photovoltaikanlagen und den ersten Batteriespeichern. Schwerpunkte waren dabei die Feuerwehrhäuser sowie eine Freiflächenanlage bei der Kläranlage.
In den darauffolgenden Jahren wurde das Energiesystem der Gemeinde laufend erweitert. Unter anderem bei der Wasserversorgung, am Friedhof sowie zuletzt mit einer Photovoltaik-Parkplatzüberdachung beim Gemeindeamt. Heute betreibt die Gemeinde 30 Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 1.276 kWp sowie 20 Batteriespeicher mit einer Speicherkapazität von insgesamt 693 kWh.
Von Beginn an wurde auf eine wirtschaftliche Umsetzung geachtet. Die Anlagen sind über das gesamte Gemeindegebiet verteilt und verstärkt mit einer Ost/West-Ausrichtung errichtet, wodurch die Stromerzeugung möglichst gleichmäßig über den Tag erfolgt. Die Anlagen haben weitgehend eine einheitliche technische Ausstattung. Es kommen identische Wechselrichter zum Einsatz – das ermöglicht eine effiziente Betriebsführung und einen geringeren Wartungsaufwand. Gleichzeitig profitieren auch die Bürgerinnen und Bürger durch die Transparenz: Über die Gemeinde-Website können sie jederzeit die aktuellen Energiedaten der Anlagen einsehen.
Seit 2025 sind sämtliche kommunalen Gebäude, Anlagen und öffentlichen e-Ladestellen in zwei kommunalen Energiegemeinschaften vernetzt. Dadurch kann selbst erzeugter Strom innerhalb der Gemeinde genutzt werden. Ergänzend dazu wurde auch die Elektromobilität ausgebaut. Aktuell betreibt St. Andrä-Wördern neun öffentliche Ladepunkte, vier davon werden ausschließlich mit Strom aus den gemeindeeigenen Photovoltaikanlagen beziehungsweise Speichern versorgt. Der Fuhrpark der Gemeinde umfasst bereits sechs Elektrofahrzeuge.
Bei der kostenlosen Beratung analysieren wir das Potenzial für Photovoltaik, Stromspeicher und Energiegemeinschaften und zeigen auf, wie diese optimal in Ihrer Gemeinde eingesetzt werden können.
Die Gesamtinvestition belief sich im Zeitraum 2020 bis 2026, nach Abzug von Förderungen in Höhe von 804.000 Euro, auf rund 1,4 Millionen Euro. Bereits heute decken Photovoltaikanlagen, Speicher und Energiegemeinschaften mehr als die Hälfte des Strombedarfs. Rund 20 Prozent des Stromverbrauchs werden innerhalb der Energiegemeinschaften gedeckt.
Der Netzstrombezug konnte dadurch von ursprünglich 1.500 MWh auf rund 650 MWh reduziert werden. Gleichzeitig sanken die jährlichen Energiekosten von rund 350.000 Euro auf etwa 150.000 Euro. Zusätzlich erzielt die Gemeinde Einnahmen aus dem Verkauf überschüssigen Stroms – allein im Jahr 2025 waren das rund 50.000 Euro. Insgesamt verbessert sich das jährliche Ergebnis damit um rund 250.000 Euro. Die Investitionen amortisieren sich aufgrund der genutzten Förderungen bereits nach rund 5,6 Jahren.
Bei einer Lebensdauer von 25 Jahren erspart sich die Gemeinde über die Laufzeit rund 6,25 Mio. Euro, ohne Inflation und Kostensteigerungen.
Die frühzeitigen Investitionen unserer Gemeinde in PV und Energiespeicher zahlen sich bereits aus. Dank der hohen Eigenversorgung und der Energiegemeinschaften profitieren wir bereits heute von spürbaren Kosteneinsparungen. Gerade angesichts der immer heißeren Sommer haben wir einen entscheidenden Vorteil: Wir sind mit unserer nachhaltigen Energieversorgung wenig von hohen zusätzlichen Energiekosten betroffen.
Susanna Kittinger, Bürgermeisterin von St. Andrä-Wördern
Erkenntnisse für andere Gemeinden
Das Beispiel St. Andrä-Wördern zeigt, dass eine erfolgreiche kommunale Energiewende nicht auf einer einzelnen Maßnahme basiert, sondern auf einer langfristigen Gesamtstrategie. Der schrittweise Ausbau von Photovoltaik und Speichern, die Einbindung kommunaler Energiegemeinschaften sowie ein laufendes Monitoring schaffen die Grundlage für hohe Eigenversorgungsgrade und dauerhaft niedrigere Energiekosten. Gleichzeitig stärken Gemeinden ihre Unabhängigkeit von steigenden Energiepreisen und investieren nachhaltig in ihre Versorgungssicherheit.
Die Energie- und Umweltagentur Niederösterreich unterstützt Gemeinden dabei, Potenziale für Photovoltaik, Stromspeicher und Energiegemeinschaften zu analysieren und wirtschaftlich zu nutzen. Im Rahmen der kostenlosen Gemeindeberatung erstellen Expertinnen und Experten auf Basis der vorhandenen Energiedaten ein Grobkonzept, das technisch sinnvolle und wirtschaftlich umsetzbare Maßnahmen aufzeigt. Die Beratung schafft eine fundierte Entscheidungsgrundlage für zukünftige Investitionen und bildet gleichzeitig den Ausgangspunkt für weiterführende Unterstützungsangebote – von Energiegemeinschaften über Photovoltaik-Anlagen bis hin zu Bürgerbeteiligungsmodellen.