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Das Modell Tulln: Energiewende selbst gestalten

Mit der Tulln Energie als Energieversorger zeigt Tulln, wie Gemeinden die Energiewende aktiv steuern und regionale Wertschöpfung schaffen können.

PV-Anlage auf dem Dach der Messe Tulln.

Die Stadtgemeinde Tulln verfolgt seit Jahren ambitionierte Klimaziele. Um die Energiewende aktiv zu gestalten und unabhängiger von Energieimporten zu werden, gründete die Gemeinde im Jahr 2020 mit der Tulln Energie eine eigene Energiegesellschaft. Das Unternehmen befindet sich zu 100 Prozent im Eigentum der Stadt und fungiert als strategisches Steuerungsinstrument für die Energieversorgung der Stadtgemeinde. Als eigenständiges Unternehmen ist es berechtigt, Stromhandel zu betreiben und regional erzeugte Energie zu vermarkten. Ziel war es von Beginn an, regionale Wertschöpfung zu schaffen, den Ausbau erneuerbarer Energien voranzutreiben und Bürgerinnen und Bürgern sowie Betrieben attraktive Angebote im Energiebereich bereitzustellen.

Die wichtigsten Fakten

  • Standort: e5-Stadt Tulln
  • Gemeindegröße: 16.200 Einwohnerinnen und Einwohner
  • Zielsetzung: 100 % Ökostrom für Bevölkerung, Unternehmen und gemeindeeigene Gebäude
  • Maßnahmen: Gründung TullnEnergie, Integration und Aufbau von Energiegemeinschaften, Ausbau von PV, Übernahme Wasserkraftwerk
  • Laufzeit: seit 2020

Im folgenden Video wird Ihnen gezeigt, welche Ziele die e5-Stadt Tulln verfolgt und wie diese erreicht wurden bzw. weiterhin erreicht werden sollen.

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Erneuerbare Energie als kommunale Aufgabe

Ein zentraler Baustein des Tullner Modells ist der konsequente Ausbau erneuerbarer Energieanlagen. Die Stadt setzte in den vergangenen Jahren eine umfassende Photovoltaik-Offensive um. Die größte kommunale Photovoltaikanlage Österreichs erzeugt rund 1,94 Gigawattstunden Strom pro Jahr und deckt damit etwa 36 Prozent des Energiebedarfs der Gemeindebetriebe. Gleichzeitig werden kommunale Gebäude schrittweise energieautark gestaltet. So versorgen sich beispielsweise moderne Kindergärten mithilfe von Photovoltaikanlagen und Wärmepumpen weitgehend selbst mit Energie.

Auch in der Stromvermarktung nimmt Tulln eine Vorreiterrolle ein. Bereits seit 2019 versorgt Tulln Energie mehrere tausend Kundinnen und Kunden in Tulln und darüber hinaus mit grünem Strom und handelt jährlich rund 30 Gigawattstunden Energie. Eine Besonderheit ist auch die gelungene Übernahme, Sanierung und Wiederinbetriebnahme des historischen Wasserkraftwerks Perschling. Die Anlage mit einer Leistung von rund 110 Kilowatt erzeugt jährlich Strom für etwa 100 Haushalte.

Energiegemeinschaften stärken die Region

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Aufbau von Energiegemeinschaften. Tulln Energie übernimmt dabei nicht nur die technische und organisatorische Abwicklung, sondern begleitet auch die Gründung und den laufenden Betrieb. Mittlerweile betreut das Unternehmen zehn regionale Energiegemeinschaften. Zwei davon – die Energiegemeinschaften Tullnerfeld und Wagram – sind direkt mit der Stadt Tulln verbunden.

In diesen Gemeinschaften tauschen kommunale und private Teilnehmerinnen und Teilnehmer regional erzeugten Strom aus. Dadurch bleibt die Wertschöpfung in der Region, während gleichzeitig die Akzeptanz für erneuerbare Energien steigt. Für die Bürgerinnen und Bürger entsteht ein einfach zugängliches Angebot, ohne dass sie sich selbst um komplexe organisatorische oder technische Fragen kümmern müssen.

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Mehrwert für Bevölkerung und Wirtschaft

Die kommunale Energiegesellschaft bietet weit mehr als die reine Stromversorgung. Tulln Energie hat sich zu einer zentralen Anlaufstelle für Energiefragen entwickelt und unterstützt die Bevölkerung mit kostenlosen Energieberatungen zu Themen wie Heizungstausch, Photovoltaik oder Energiesparen. Haushalte und Betriebe erhalten Ökostromtarife zu fairen Konditionen und werden bei der Umsetzung eigener Energieprojekte begleitet.

Auch in Krisenzeiten zeigte sich der Nutzen einer gemeindeeigenen Energiegesellschaft. So konnte die Stadt ihre Bürgerinnen und Bürger beispielsweise mit gezielten Unterstützungsmaßnahmen bei hohen Energiekosten entlasten. Darüber hinaus betreibt Tulln Energie inzwischen 78 öffentliche Ladestationen für Elektromobilität und leistet damit einen weiteren Beitrag zur nachhaltigen Mobilitätswende.

Mit unserer eigenen Energiegesellschaft können wir die Energiewende vor Ort selbst gestalten und die Wertschöpfung in der Region halten. Das schafft Unabhängigkeit, Versorgungssicherheit und konkrete Vorteile für unsere Bürgerinnen und Bürger./

Bürgermeister der Stadtgemeinde Tulln, Peter Eisenschenk.
Peter Eisenschenk, Bürgermeister der Stadtgemeinde Tulln

Was können Gemeinden daraus lernen?

Das Beispiel Tulln zeigt, wie Gemeinden die Energiewende aktiv steuern und gleichzeitig neue Handlungsspielräume gewinnen können. Eine eigene Energiegesellschaft ermöglicht es, kommunale Klimaziele schneller umzusetzen, regionale Energieressourcen gezielt zu nutzen und zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen. Sichtbare Projekte wie Photovoltaikanlagen, Energiegemeinschaften oder öffentliche Ladeinfrastruktur schaffen Vertrauen und erhöhen die Akzeptanz in der Bevölkerung.

Besonders deutlich wird, dass die Kombination aus erneuerbarer Energieerzeugung, regionalem Stromhandel, Bürgerbeteiligung und professioneller Organisation ein tragfähiges Modell für die Zukunft sein kann. Gemeinden übernehmen damit eine aktive Rolle in der Energieversorgung und schaffen gleichzeitig konkrete Vorteile für Bevölkerung, Wirtschaft und Umwelt.

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