Steigende Energiepreise und ein hoher Gasverbrauch machten im Bauhof der Stadtgemeinde Waidhofen an der Ybbs ein Umdenken notwendig. Anstatt auf einen langfristig geplanten Neubau zu warten, entschied sich die Gemeinde für eine zukunftsfähige Lösung im Bestand – mit großem Erfolg für Budget und Klima.
Die wichtigsten Fakten
Standort: e5-Stadtgemeinde Waidhofen an der Ybbs
Gemeindegröße: 11.000 Einwohnerinnen und Einwohner
Gebäude: Bauhof
Ausgangsverbrauch: 460.000 kWh Erdgas pro Jahr (entspricht ~ € 50.600)
Maßnahmen: Heizungstausch
Investitionskosten: € 102.000 (nach Abzug der Förderung)
Einsparung: € 32.200 pro Jahr
Umsetzung: 2023
Amortisation: 3,5 Jahre
Hoher Energieverbrauch als Ausgangspunkt
Der Bauhof der Stadtgemeinde Waidhofen an der Ybbs vereint auf rund 2.900 Quadratmetern beheizter Fläche mehrere kommunale Einrichtungen – vom Bauhof über die Wirtschaftsbetriebe bis hin zu Gärtnerei und Straßenmeisterei. Die Gebäude stammen aus unterschiedlichen Bauperioden und konnten wirtschaftlich nicht thermisch saniert werden. Ein Neubau war zwar vorgesehen, ließ sich jedoch kurzfristig nicht finanzieren.
Zusätzlich verursachte die bestehende Gasheizung hohe laufende Kosten. Im Jahr 2021 wurden rund 610.000 Kilowattstunden Erdgas verbraucht. Noch bevor in neue Technik investiert wurde, setzte die Gemeinde auf bewusstes Energiesparen. Durch gezielte Sensibilisierung der Mitarbeitenden konnte der Verbrauch bereits innerhalb eines Jahres um rund 20 Prozent reduziert werden. Damit war klar: Neben organisatorischen Maßnahmen braucht es auch eine neue, zukunftsfähige Wärmeversorgung.
Vorhandene Ressourcen sinnvoll nutzen
Die Wahl fiel auf eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe. Ausschlaggebend war eine Überlaufquelle direkt am Bauhofgelände, die ganzjährig Wasser mit einer konstanten Temperatur von zehn bis zwölf Grad liefert. Diese natürlichen Voraussetzungen ermöglichen einen besonders effizienten Betrieb der Anlage und kurze Leitungswege.
Der bisherige Gaskessel blieb lediglich als Reserve für die Heizlüfter in den Garagen sowie zur Ausfallsicherung erhalten. Planung und Projektierung erfolgten gemeinsam mit einem spezialisierten Unternehmen, umgesetzt wurde das Projekt mit regionalen Betrieben und viel Eigenleistung der Stadtgemeinde. Insgesamt wurden rund 123.000 Euro investiert. Nach Abzug der Bundesförderung in Höhe von 21.000 Euro verblieb für die Gemeinde eine Eigeninvestition von rund 102.000 Euro.
Wir unterstützen Sie dabei, Energiekosten gezielt zu senken, Einsparpotenziale aufzudecken und konkrete Maßnahmen für mehr Energieeffizienz direkt umzusetzen.
Die Ergebnisse sprechen für sich: Mit einem jährlichen Stromverbrauch von rund 80.000 Kilowattstunden erzeugt die Wärmepumpe etwa 340.000 Kilowattstunden Wärme. Die jährlichen Energiekosten sanken dadurch von rund 50.600 Euro auf etwa 18.400 Euro.
Damit spart die Stadtgemeinde jedes Jahr rund 32.200 Euro an Energiekosten. Die Investition amortisiert sich bereits nach etwa dreieinhalb Jahren. Dank eigener Strom- und Wärmemengenzähler lassen sich die Einsparungen laufend überprüfen und dokumentieren. Bei einer Laufzeit von 25 Jahren erspart sich die Gemeinde mit dieser Maßnahme rund 805.000 Euro.
Selbst kümmern und mitwirken zahlt sich aus. Die Gemeinde hat viel Eigenleistung eingebracht und war in alle Schritte eingebunden. Das war in der Koordination durchaus herausfordernd, hat sich aber eindeutig gelohnt.
Werner Krammer, Bürgermeister von Waidhofen an der Ybbs
Was können Gemeinden daraus lernen?
Das Beispiel Waidhofen an der Ybbs zeigt, dass auch Bestandsgebäude großes Potenzial für wirtschaftliche Energieeinsparungen bieten. Bevor größere Investitionen getätigt werden, lohnt es sich, den Energieverbrauch genau zu analysieren und organisatorische Maßnahmen umzusetzen. Bereits kleine Verhaltensänderungen können den Verbrauch deutlich reduzieren und bilden eine gute Grundlage für weitere Schritte.
Ebenso wichtig ist der Blick auf die örtlichen Gegebenheiten. Natürliche Energiequellen, vorhandene Infrastruktur und Fördermöglichkeiten können wirtschaftliche Lösungen ermöglichen, die sowohl den Gemeindehaushalt entlasten als auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Waidhofen an der Ybbs zeigt, dass sich eine zukunftsfähige Modernisierung der Wärmeversorgung auch im Bestand erfolgreich und wirtschaftlich umsetzen lässt. – ohne auf einen Neubau warten zu müssen.
Die NÖ Energie- und Umweltagentur (eNu) unterstützt Gemeinden dabei, Energiepotenziale zu erkennen und wirtschaftlich zu nutzen. Die Potenzialanalyse bildet die Grundlage für fundierte Entscheidungen und zeigt auf, welche Maßnahmen wie ein Heizungstausch sowie Projekte in den Bereichen Photovoltaik und Energiegemeinschaften sinnvoll umgesetzt werden können. So entstehen zukunftsfähige Lösungen, die Energiekosten senken und die regionale Energieversorgung stärken.