Wie Gemeinden mit der Modernisierung ihrer Straßenbeleuchtung Energieverbrauch, Wartungsaufwand und Kosten deutlich reduzieren können, zeigt das Praxisbeispiel der Marktgemeinde Wölbling.
Eine moderne Straßenbeleuchtung muss heute mehr leisten als nur für Helligkeit zu sorgen: Sie soll energieeffizient, wirtschaftlich, gut steuerbar und möglichst umweltverträglich sein. Die Marktgemeinde Wölbling hat ihre Straßenbeleuchtung deshalb umfassend modernisiert. Mit der Umstellung auf LED, einer intelligenten Steuerung und gezielter Nachtabsenkung konnte die Gemeinde ihren Energieverbrauch mehr als halbieren und gleichzeitig die Beleuchtungsqualität verbessern.
Die wichtigsten Fakten
Standort: Marktgemeinde Wölbling
Gemeindegröße: 2.400 Einwohnerinnen und Einwohner
Anzahl Lichtpunkte: 967
Ausgangsverbrauch: rund 210.000 kWh pro Jahr bzw. 218 kWh pro Lichtpunkt
Maßnahmen: Umrüstung auf LED, Erneuerung der Schaltkästen, intelligente Steuerung und Nachtabsenkung
Einsparung: rund 28.800 Euro pro Jahr
Investitionskosten: € 253.424,- (nach Abzug von Förderungen)
Umsetzungszeitraum: 2021/2022
Hoher Energieverbrauch und sichtbare Lichtverschmutzung
Die Marktgemeinde Wölbling betreibt ihre Straßenbeleuchtung selbst. Vor der Modernisierung waren insgesamt 967 Lichtpunkte mit Natriumdampflampen ausgestattet. Der jährliche Energieverbrauch lag bei rund 210.000 kWh, das entspricht etwa 218 kWh pro Lichtpunkt. Für die Gemeinde bedeutete das jährliche Kosten von rund 52.500 Euro.
Neben dem hohen Energieverbrauch war auch die Lichtverschmutzung ein Thema. Über dem Ortsgebiet war eine deutlich sichtbare Lichtglocke wahrnehmbar. Für die Gemeinde stellte sich daher die Frage, wie die bestehende Beleuchtung technisch und wirtschaftlich sinnvoll modernisiert werden kann. Den Ausgangspunkt bildete eine umfassende Potenzialanalyse, mit der die Möglichkeiten für eine zeitgemäße Straßenbeleuchtung untersucht wurden.
LED und intelligente Steuerung für alle Lichtpunkte
In einem nächsten Schritt wurde die gesamte Straßenbeleuchtung auf LED-Technologie umgerüstet. Gleichzeitig erneuerte die Gemeinde sämtliche Schaltkästen. Die Umsetzung erfolgte innerhalb von nur sechs Monaten in den Jahren 2021 und 2022.
Besonderes Augenmerk legte Wölbling auf die intelligente Steuerung der Beleuchtung. Über eine digitale Plattform können sämtliche Lichtpunkte vom Gemeindeamt aus zentral verwaltet und überwacht werden. Störungen lassen sich dadurch rasch erkennen und defekte Leuchten einfach lokalisieren. Darüber hinaus kann die Gemeinde einzelne Bereiche gezielt dimmen und die Beleuchtung damit an den tatsächlichen Bedarf anpassen.
Auch unterschiedliche Steuerungslösungen wurden erprobt. In zwei Straßenzügen kamen Bewegungsmelder im Probebetrieb zum Einsatz. Heute wird die gesamte Beleuchtung zwischen 22:30 Uhr und 5:00 Uhr um 50 Prozent gedimmt. Kreuzungsbereiche sind davon ausgenommen. Vor der Modernisierung wurde in den Nachtstunden jede zweite Leuchte abgeschaltet. Durch die neue Lösung konnte hingegen eine gleichmäßigere Ausleuchtung erreicht werden, während die reduzierte Lichtleistung im Ortsgebiet kaum wahrgenommen wird.
Für die Finanzierung nutzte die Gemeinde mehrere Fördermöglichkeiten. Zum Einsatz kamen unter anderem die Bundesförderung der KPC, KIP-Mittel sowie die Bedarfszuweisung des Landes Niederösterreich.
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Ergebnis: 115.000 kWh weniger Energieverbrauch und 28.800 Euro jährlich eingespart
Die Wirkung der Modernisierung zeigt sich deutlich in den Verbrauchsdaten. Der jährliche Energieverbrauch der Straßenbeleuchtung konnte von rund 210.000 kWh auf etwa 95.000 kWh reduziert werden. Damit spart Wölbling jährlich rund 115.000 kWh Energie ein – mehr als die Hälfte des ursprünglichen Verbrauchs.
Auch finanziell macht sich die Umstellung bemerkbar: Rund 28.800 Euro Stromkosten werden jedes Jahr eingespart. Das Projekt amortisiert sich damit in weniger als neun Jahren. Über eine angenommene Lebensdauer von 25 Jahren ergibt sich für die Gemeinde eine Einsparung von rund 718.000 Euro.
Gleichzeitig hat sich die Qualität der Beleuchtung verbessert. Aus der Bevölkerung kamen insbesondere positive Rückmeldungen zum helleren und weißeren Licht sowie zur besseren Ausleuchtung der Straßenräume. Auch die Lichtverschmutzung konnte deutlich reduziert werden.
Ein weiterer wirtschaftlicher Vorteil ergibt sich bei der Wartung. Der laufende Wartungsaufwand liegt mittlerweile bei nur noch etwa einem Drittel des früheren Aufwands. Bei Wartungsarbeiten müssen zudem nur noch die Leuchtmittel und nicht mehr die gesamten Leuchtenköpfe getauscht werden. Die digitale Überwachung unterstützt die Gemeinde zusätzlich bei der laufenden Betriebsführung und ermöglicht eine rasche Lokalisierung und Behebung von Störungen.
Die umfassende Modernisierung der Straßenbeleuchtung war eine wichtige Investition in die Zukunft unserer Gemeinde. Rückblickend hat sich gezeigt, dass die Entscheidung, das Projekt in einem Schritt umzusetzen, richtig war. Dadurch konnten wir bessere Preise erzielen und rasch von den Vorteilen der neuen LED-Technologie profitieren. Heute verbrauchen wir deutlich weniger Energie, haben eine bessere Ausleuchtung und gleichzeitig einen geringeren Wartungsaufwand.
Das Beispiel aus Wölbling zeigt, dass die Modernisierung der Straßenbeleuchtung weit über den reinen Austausch von Leuchtmitteln hinausgehen kann. Eine umfassende Analyse der bestehenden Anlage schafft die Grundlage, Energieeinsparung, Beleuchtungsqualität, Wartung und Steuerung gemeinsam zu betrachten. Mit LED-Technologie, intelligenter Steuerung und bedarfsgerechter Nachtabsenkung lassen sich dabei mehrere Ziele gleichzeitig verfolgen.
Für Gemeinden, die ihre Straßenbeleuchtung modernisieren oder Einsparpotenziale identifizieren möchten, bietet die Energieberatung Niederösterreich eine firmenunabhängige Beratung an. Im Rahmen der Potenzialanalyse können unter anderem der Bestand, die Energiebuchhaltung, relevante Normen und Gesetze sowie Fördermöglichkeiten betrachtet werden. Die Erstberatung zur LED-Straßenbeleuchtung ist für Gemeinden zu 100 Prozent förderbar und unterstützt dabei, die nächsten Schritte fundiert vorzubereiten.