Mit Sonnenstrom und Speicher zur energieeffizienten Kläranlage
Mit Sonnenstrom und Speicher zur energieeffizienten Kläranlage
Durch die schrittweise Modernisierung ihrer Kläranlage zeigt die e5-Gemeinde Wolkersdorf, wie Gemeinden Energiekosten senken und die Eigenversorgung stärken können.
Kläranlagen zählen zu den größten Stromverbrauchern einer Gemeinde. Gleichzeitig bieten sie große Potenziale, Energiekosten zu senken, die Versorgungssicherheit zu erhöhen und einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Der Gemeindeabwasserverband Wolkersdorf-Pillichsdorf-Großengersdorf zeigt, wie dies mit einer Kombination aus Energieeffizienzmaßnahmen, Photovoltaik, Batteriespeicher und intelligentem Energiemanagement gelingen kann. Dadurch konnte der externe Strombezug deutlich reduziert und die Eigenversorgung gesteigert werden. Den Großteil des weiterhin benötigten Stroms bezieht die Gemeinde nun über die Energiegemeinschaft. Das Beispiel zeigt, wie Gemeinden bestehende Infrastruktur Schritt für Schritt fit für die Energiewende machen können.
Die wichtigsten Fakten
Standort: GAV Wolkersdorf-Pillichsdorf-Großengersdorf
Energieanalyse als Ausgangspunkt für gezielte Maßnahmen
Die Kläranlage in Wolkersdorf reinigt die Abwässer von rund 12.000 Einwohnerinnen und Einwohnern aus den Gemeinden Wolkersdorf, Pillichsdorf und Großengersdorf. Besonders während der Weinlese steigen die Belastungen der Anlage deutlich an, wodurch auch der Energiebedarf entsprechend hoch ausfällt. Trotz einer umfassenden Modernisierung im Jahr 2010 und der Errichtung der ersten Photovoltaikanlage betrug der jährliche Stromverbrauch rund 700.000 kWh.
Um weitere Einsparpotenziale zu identifizieren, wurde 2019 eine umfassende Energieanalyse durchgeführt. Das daraus entwickelte Energiekonzept bildete die Grundlage für eine schrittweise Modernisierung der gesamten Anlage und zeigte auf, welche Maßnahmen die größte Wirkung erzielen können.
Mehr Effizienz und Sonnenstrom für den laufenden Betrieb
Ein wichtiger Schritt war die Erneuerung der Schlammentwässerung. Die bestehende Technik wurde durch eine moderne Schnecken-Schlammpresse ersetzt, wodurch die benötigte Antriebsleistung von 30 kW auf nur noch 3 kW reduziert werden konnte. Bei rund 3.500 Betriebsstunden pro Jahr ergibt sich daraus eine erhebliche Stromeinsparung.
Gleichzeitig wurde die Photovoltaikanlage in mehreren Ausbaustufen von ursprünglich 20 kWp auf insgesamt 350 kWp erweitert. Damit erzeugt die Kläranlage heute einen wesentlichen Teil ihres Strombedarfs selbst. Ergänzend wurde sie in eine Energiegemeinschaft eingebunden, wodurch weitere Strommengen regional bezogen werden können. Ein Teil der Anlage wurde über das Beteiligungsmodell „Sonnenkraftwerk Gemeinde“ finanziert, das innerhalb kürzester Zeit vollständig gezeichnet war. Das große Interesse zeigt, dass auch die Bevölkerung bereit ist, die Energiewende vor Ort aktiv mitzutragen.
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Batteriespeicher erhöht Eigenversorgung und Versorgungssicherheit
Mit der Modernisierung des Leitsystems wurden die Voraussetzungen geschaffen, den Energieeinsatz auf der Kläranlage noch besser zu steuern und Lastspitzen gezielt zu reduzieren. Den nächsten Entwicklungsschritt stellte die Errichtung eines Batteriespeichers mit einer Kapazität von 1.044 kWh dar. Dadurch kann tagsüber erzeugter Solarstrom gespeichert und auch in den Abend- und Nachtstunden genutzt werden. Insgesamt wurden für die Maßnahmen rund 600.000 Euro investiert. Für das innovative Speicherprojekt erhielt der Verband eine aws-Förderung in Höhe von 40 Prozent der Investitionskosten, wodurch die Umsetzung wirtschaftlich noch attraktiver wurde.
Heute deckt die Kläranlage rund sieben Monate pro Jahr ihren Strombedarf vollständig aus eigener Erzeugung. Über das gesamte Jahr betrachtet liegt der Eigenversorgungsgrad bei rund 60 Prozent. Alle umgesetzten Maßnahmen zusammen reduzieren den externen Strombezug um etwa die Hälfte und ermöglichen jährliche Einsparungen von rund 122.000 Euro. Die Investitionen amortisieren sich dadurch bereits nach etwa vier Jahren.
Bei einer Kläranlage gibt es nur wenige große Stellschrauben, um die laufenden Kosten zu senken. Der Energieeinsatz ist am einfachsten und wirksamsten. Deshalb haben wir uns bewusst auf Energieeffizienz und Eigenstromerzeugung konzentriert. Die erzielten Einsparungen zeigen, dass dieser Weg richtig war.
Das Beispiel des Gemeindeabwasserverbandes Wolkersdorf-Pillichsdorf-Großengersdorf zeigt, dass erfolgreiche Energieprojekte meist nicht auf einer einzelnen Maßnahme beruhen. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Energieeffizienz, erneuerbarer Stromerzeugung, Speichertechnologien und einem durchdachten Energiemanagement. Gerade bei kommunalen Infrastruktureinrichtungen mit hohem Energiebedarf können Gemeinden ihre laufenden Kosten deutlich senken und gleichzeitig ihre Unabhängigkeit von steigenden Energiepreisen erhöhen.
Eine fundierte Analyse des Energieverbrauchs hilft dabei, die größten Potenziale zu erkennen und Investitionen zielgerichtet umzusetzen. Darüber hinaus zeigt Wolkersdorf, wie sich die Bevölkerung erfolgreich in Energieprojekte einbinden lässt. Über das Beteiligungsmodell „Sonnenkraftwerk Gemeinde“ wurde ein Teil der Photovoltaikanlage finanziert und damit die lokale Energiewende gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern vorangetrieben. Die Energie- und Umweltagentur des Landes Niederösterreich unterstützt Gemeinden dabei, geeignete Projekte zu identifizieren und erfolgreich umzusetzen. So profitieren Gemeinden nicht nur von geringeren Energiekosten, sondern stärken auch die regionale Wertschöpfung und Akzeptanz vor Ort.