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Nachbericht – Energie- und Klimaforum NÖ Städte

Klimafitte Bebauungsplanung & Hitzeschutzmaßnahmen für die klimaresiliente Stadt der Zukunft.

Am 17. September 2026 widmete sich die Online-Veranstaltung den Möglichkeiten klimafitter Bebauungsplanung in Niederösterreich. Im Zentrum stand die Vorstellung des neuen Leitfadens „Klimafitte Bebauungsvorschriften“, der Gemeinden praxisnahe Rechtstexte und konkrete Umsetzungsbeispiele zur Verfügung stellt.

DI Tino Blondiau, Bereichsleitung Klima der Energie- und Umweltagentur des Landes NÖ verdeutlichte anhand von Beispielen die Notwendigkeit klimafitter Planung: Große versiegelte Parkplätze wurden zu grünen, beschatteten Aufenthaltsflächen mit versickerungsfähigen Oberflächen und Sickermulden umgestaltet. Der Stadtwald Wieselburg zeigt, wie Erholungsräume im Zentrum geschaffen werden können.

DI Dieter Schnaufer vom Amt der NÖ Landesregierung erläuterte die rechtlichen Rahmenbedingungen. Die Novelle des NÖ Raumordnungsgesetzes vom 23. April 2026 erweitert die Handlungsmöglichkeiten erheblich: Gemeinden können nun umfassende „Maßnahmen zur Minderung der Auswirkungen des Klimawandels“ festlegen. Dies umfasst Anordnung und Gestaltung von Gebäuden, Farbe und Helligkeit der Gebäudeaußenflächen (Albedo-Effekt), Beschattungsmaßnahmen, Art und Ausmaß von Bauwerksbegrünungen und PV-Anlagen, Versiegelungsbeschränkungen, Flächen für Wasserrückhaltung nach dem Schwammstadt-Prinzip sowie Umgestaltung von Verkehrsflächen mit blau-grüner Infrastruktur.

DI DDr. Patrick Schicht vom Bundesdenkmalamt zeigte, dass klimafitte Maßnahmen und Denkmalschutz vereinbar sind. Bei Photovoltaik-Anlagen unterscheidet das Bundesdenkmalamt zwischen untergeordneten und prominenten Positionen. Für prominente Dachflächen stehen innovative Lösungen wie rote Biberschwanzziegel mit integrierten PV-Modulen zur Verfügung, die einen Wirkungsgrad von 18 Prozent erreichen. Bewährte Systeme sollten gepflegt und gewartet werden – gezielte Verbesserungen ohne Eingriff in Substanz oder Erscheinung sind wartbar und reversibel.

Mag. Sabine Plodek-Freimann von der Energie- und Umweltagentur des Landes NÖ präsentierte den 48-seitigen Leitfaden, der kostenlos unter www.klimafit-noe.at zum Download bereitsteht. Der Leitfaden bietet geprüfte Rechtstexte für vier zentrale Handlungsfelder: Begrünung und Klima, Boden und Wasser, Risikovorsorge sowie Flächennutzung und Mobilität.
Praxisbeispiele aus niederösterreichischen Gemeinden zeigten die Bandbreite: Klosterneuburg schreibt die Begrünung sämtlicher Flachdachbereiche vor, Wiener Neudorf verlangt 75 Prozent Begrünung bei Flachdächern ab 200 m², Mödling fordert 20 Prozent Fassadenbegrünung bei größeren Gebäuden, Neulengbach verpflichtet ab acht PKW-Stellplätzen zur Baumpflanzung und Bisamberg schreibt Zisternen mit mindestens 3 m³ Rückhaltevolumen vor. Schwechat hat Bebauungsvorschriften für ökologische Betriebsgebiete verordnet, der Wirtschaftspark Kreilhof in Waidhofen/Ybbs dient als Beispiel.

DI Ute Reisinger, Stadträtin für Klimaschutz und Raumordnung, Stadtgemeinde Melk stellte die Entwicklung des Klimaboulevard Melk und die Beteiligung der Stadt am EU Projekt impaQt vor. Die Stadt Melk lädt zum Spatenstich am 23. Oktober ein.

Fazit der Veranstaltung: Klimafitte Bebauungsvorschriften sind ein zentrales Instrument für zukunftsfähige Gemeindeentwicklung. Der neue Leitfaden bietet praxiserprobte Lösungen im geltenden Rechtsrahmen. Die Novelle des NÖ Raumordnungsgesetzes erweitert die Handlungsmöglichkeiten erheblich. Entscheidend sind Analysen auf Basis lokaler Klimadaten, vielschichtige Abstimmungsprozesse und begleitende Kommunikation von Anfang an. Das neue Unterstützungsangebot „Klimafit-Beratung“ steht Gemeinden bei der individuellen Umsetzung zur Seite.

Zu den Präsentationen

Weitere Informationen

Kontakt zu unseren Vortragenden

DI Tino Blondiau
Mag. Sabine Plodek-Freimann
DI Dieter Schnaufer, dieter.schnaufer@noel.gv.at
DI DDr. Patrick Schicht, patrick.schicht@bda.gv.at
UStR DI Ute Reisinger stadtraetin.reisinger@stadt-melk.at