Frühlingsfreuden auf der Mamauwiese
Die Schutzgebietsbetreuung des Europaschutzgebiets „Nordöstliche Randalpen“ stellt die botanischen Schmankerln der Mamauwiese im Rahmen der Woche der Artenvielfalt vor.
© Elisabeth Schönthal
Schutzgebietsbetreuerin Barbara Waringer wanderte am 24. Mai 2026 mit einer Gruppe interessierter Exkursionsteilnehmerinnen und -teilnehmer über eine Teilfläche der Mamauwiese, ehe im Juni das Weidevieh aufgetrieben wird. Die Biologin ist begeistert von der kleinräumigen Vielfalt: Moor neben Magerrasen, Kalkzeiger neben Kalkmeidern. Die Beweidung fördert zusätzlich Strukturreichtum wie offene Bodenstellen, die von Insekten genutzt werden können.
Gelb, violett und weiß sind die vorherrschenden Farben der Blüten an diesem wunderschönen Pfingstsonntag. Gelb blühen Niedrig-Schwarzwurz und Trollblume, violett Mehlprimel und Knabenkräuter, weiß der Sumpf-Baldrian.
Erhaltung von Feuchtwiesen für die Kulturlandschaft
Teile der Wiese wurden im Rahmen eines Projekts im Winter 2025/2026 mit großem Aufwand und in enger Zusammenarbeit mit der Schutzgebietsbetreuung vom Eigentümer geschwendet, um ein Verwalden der wertvollen Offenland-Lebensräume zu verhindern. In wassergefüllten Fahrspuren, Überbleibsel von der Schwendarbeit im Winter, rufen jetzt Gelbbauch-Unken.
Flächen wie die Mamauwiese sind nicht nur wichtig für den Erhalt der Biodiversität – viele seltene Offenland-Pflanzenarten sind auf ungedüngte Standorte angewiesen – sondern fungiert mit ihren Moorböden auch als lokaler Wasserspeicher, ähnlich einem Schwamm.
Weiden und Wiesen, die nur einen geringen Futterwert für das Vieh bieten oder aufgrund der Lage sehr schwer zu bewirtschaften sind, laufen Gefahr, aufgegeben oder aufgeforstet zu werden. Mit diesen unwirtschaftlichen Flächen verschwinden aber oft auch die seltenen Arten und einzigartige Lebensräume – und mit ihnen auch ein Stück menschlicher Kulturgeschichte.
Im Rahmen der Biotoppflege wurden hauptsächlich Fichten entnommen, einzelne Laubbäume wie Eberesche oder Bergahorn, aber auch Büsche wie Wacholder oder einzelne Legföhren blieben stehen.
Enzian und Orchideen als bunte Augenweide
Enzian und Orchideen – an die 10 verschiedene Arten – freuen sich über das Mehr an Licht und erfreuen das Auge der Exkursionsteilnehmerinnen und -teilnehmer. Deutlich unscheinbarer sind die Seggen, Sauergräser mit dreikantigem Stängel, die hauptsächlich in Feuchtgebieten, aber auch anderen Lebensräumen wachsen. Die Artenvielfalt auf der Fläche ist sehr hoch.
© Barbara Waringer
Die Suche nach einer Feuersalamander-Larve und einem Pferdeegel führte zu einem „Plumps in den Sumpf“ der begeisterten Schutzgebietsbetreuerin Barbara Waringer, die sich – davon völlig unbeeindruckt – über das nächste zoologische Highlight der Exkursion freut: Ein Nagelfleck, ein besonders seltener und eindrucksvoller Nachtfalter, dessen Raupen sich überwiegend auf Buchen entwickeln.
Nach den gut drei Stunden Exkursionszeit bleiben die Fotos von der Farbenpracht vorm Schneeberg – und das Gefühl, dass es noch jede Menge zu entdecken gäbe. Das Bemühen um den Schutz, aber auch die Erfassung all dieser Besonderheiten zählt zu den Aufgaben der Schutzgebietsbetreuung in Niederösterreich. Lebensraumpflege und Exkursion wurden vom Land Niederösterreich und der EU unterstützt.
Ein Projekt der Schutzgebietsbetreuung des Landes NÖ, mit Unterstützung von Land NÖ und Europäischer Union.
